Monday, 4 August 2014

Ich bin beim Popfest überall gratis reinkommen.

I'm on the list. 

Auf meiner Liste, meinem kleinen Heft stehen ein paar Notizen.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es nicht doch kleinste Glasscherben sind, die es machen, dass der Boden so glitzert am Karlsplatz. Das würde viel mehr Sinn machen.

Aus Perspektiven:
Die Lady (55) im roten Leinenhemd, Blouson, wohnt ums Eck und möchte wissen, wo dieser Lärm immer eigentlich herkommt.
Sie denkt sich dann: "Do steht so a Bua mit kurza Hosn, der hod sei gaunze Technik mitbrocht, auf am Tisch, do stehts drauf. Und der kau grad amoi do driwa schauen. Also für mich persönlich, I find jo des is nix. Des Red Bull genauso wenig, des hot ma no nie gschmeckt."
Ich kann gar nicht Gedanken lesen und sie belehrt mich auch später eines anderen.
Das war eine der wenigen Fehlbesetzungen; also den Austragungsort und und die Uhrzeit meine ich damit, der hätte im Brut in der Nacht spielen müssen, Harry Jen.

Wir haben Pause gemacht. Also versucht Pause zu machen von den Musiken. Am Naschmarkt, wo wir schon lange nicht mehr waren verwende ich das generische wir.
Dort gibt es Beschallung (dieses Wort muss mindestens einmal eingesetzt werden in dieser Textgattung) von beiden Seiten, die eine ist Radio und meistens Katy Perry (deshalb höre ich sie jetzt beim Aufschreiben), die andere ist so Electro Sachen aus dem Deli unter Palmen.
Ich gewöhne mich daran, es plätschert vor sich hin. Avocado, Tomaten, Schafkäse.
Unter Palmen treffen wir uns auch immer wieder neben der Bühne.
Meine Begleitung M., die ich begleite, die außerdem großartige Konzertfotos macht und deshalb einen Presseausweis hat, also ein buntes Blatt Papier, das nicht laminiert ist, und ich.
Es war beim zurück Kommen fast schon so weit, dass ich die Bässe nicht einmal mehr gehört habe, sie waren zur Geräuschlandschaft der Stadt geworden, so wie die Straßenbahn.

Es ist eine unliebsame Beschäftigung, das Warten auf Konzerten, alleine (Man steht so rum) während jemand anders fotografiert, oder auf dem Klo ist, oder Bier holt. Ich mag ja keine Gruppen und Abhängigkeitsverhältnisse.
Da beginne ich lieber manchmal zu schreiben und tue so als hätte ich eine Funktion und eine Daseinsberechtigung.
Ich vermische meine Gefühle; eine Prise von hoffentlich treffe ich niemandem und behalte lieber low profile und einem Schnitzelhammer von doch jemanden sehen wollen.

Menschen schauen, Menschen kennen, Blickbeziehungen.
Warum ich kein Musikjournalist bin, frage ich mich. Da würde ich wenigstens etwas machen aus der Zeit, die ich auf Konzerten verbringe, ansonsten nichts nutzend. Sie verwerten. Gewissenhaft.
Ich müsste das aber auch.
Damit ist die Frage beantwortet.
Wahrscheinlich bin ich auch nicht sonderlich gut in "Hallo. Ur lang nicht gesehen! Du hast doch gerade dieses und jenes Projekt am Laufen? Und dein Artikel letztens, ich habe so gelacht."
Auf Eröffnungen von Ausstellungen ist es mehr OK sozial inkompetent zu sein und neben sich zu stehen. (Das behaupte ich.)
Jedenfalls bin ich dort hin, habe mit Leuten geredet und Musik gehört, also gearbeitet.
Das kapitalisieren? Vergelden!
Andere Überlegung: Wieso die nicht kommen, die auf eben solche Ausstellungseröffnungen gehen, oder so wenige davon.
Sonderlich queer ist es nicht, in dem Sinn, ein bisschen mit Mika Vember und dem Chor, der mal in die gleiche mal nicht, Richtung wippt; erst später so richtig in der Ballrobe, Me and Jane Doe!
(Ja, natürlich hat Pop mehrere politische Dimensionen. Affirmative und reproduktive oder dekonstruktive, transformative Institutionen und Veranstaltungen; keine Ahnung.)

Am ersten Tag tragen die beiden Kuratierenden auch schwarz, am zweiten sind die dann ein bisschen mehr bunt, machen genau so seltsame Ansagen, aber freuen sich sichtlich dabei.
Ich diskriminiere (dann doch wieder, andersrum) positiv, weil die allermeisten Menschen auf den Bühnen und Balkonen basiert in Wien oder im Umland sind. Gut, wenn sich da was tut.
Bei Effi sind alle glücklich und tanzen, sogar weiter weg lächeln alle so vor sich hin, noch weiter vorne tanzen sie um diese Skulptur herum im See, den ich trotz allem ein bisschen grausig finde. Indie Pop und ein Kazoo, so viel liab.
Der Bogen spannt sich ganz von selbst und schließt sich dort, als ich die anfangs erwähnte Lady in rot wieder treffe. Sie steht jetzt vor der Bühne, hat sich entschieden zu blieben und wirkt ganz zufrieden mit der Welt. Dieses Jahr wird sie nicht bei der Polizei anrufen und sagen: "22 Uhr hat es geheißen!"

Jetzt habe ich wieder einen Bandnamen verloren, kann mich aber an die Reihenfolgen nicht mehr erinnern, oder wann was passiert ist. Ich sollte für Vice schreiben.

Vor mir tanzt jemand, sie könnte die Mutter einer jungen österreichischen Autorin sein, die oft eine rote Kopfbedeckung trägt. In der linken Hand trägt sie eine Zigarette, in der rechten eine Bierdose. Endlich kann ich auch das Dosenbier erwähnen! Und sie dreht sich manchmal im Kreis, wippt aber die meiste Zeit einfach hin und her. Sie wirkt sehr ausgelassen, lässt nichts aus.
In ihrer zweiten Handtragetasche hat sie einen Wassersprüher, so einen Pflanzenbenebler, außerdem vielfarbige Seidentücher, daneben wahrscheinlich noch 3 Packungen Zigaretten und weitere Hüsn.
Alle paar Minuten greift sie zum Sprühgerät und befeuchtet sich das Gesicht. Das ist sehr schön mit anzusehen.

Beim Bühnenaufgang tanzt noch eine weitere Person, sie trägt Kopfhörer und ich bin nicht sicher, ob sie das Konzert hört oder eigens Mitgebrachtes. Sie ist noch begeisterter und trägt so eine weiße weite Hose und einen glitzernden Gürtel. Meistens quietscht sie, bevor sie vom Bühnenaufgangbeaufsichtiger zurechtgewiesen wird, weil sie aufs Geländer klettert, und hat die Arme in der Luft. #wosinddiehände
Generell habe ich das Gefühl ich habe ein gutes Händchen mir die Umstehenden auszusuchen, es gibt immer etwas zu sehen.
Und am Ende ein Jay-z mit Alicia Keys Cover!
Big lights will inspire you.

Wir warten auf Kids N Cats. Sie haben dieses Video.
Sie sind schon irgendwie lustig, Bärte und Kaugummiblasen.
Es ist wahrscheinlich die hippste Party bis jetzt. Seesäcke und Frisuren.
"Irgendwie macht das auch etwas mit der Wahrnehmung, wenn man so übermüdet ist, man kommt dann so in den flow" sagt meine Begleitung, die ich immer noch begleite, M.
Ich erwidere: "Man tanzt dann vielleicht nicht mehr so viel. Oder doch, aber man stößt öfter an Menschen."
"An Grenzen?"
"An Grenzen auch."
Sie kommen dann und sind sehr viel bemalt mit Farben oder Schlamm, die nicht nur mich an kulturelle Appropriation erinnern. Es geht dann auch viel um die Triebe, denen freien Lauf lassen, das Unkontrollierbare; Tierlaute und so.
Später treffe ich eine bekannte, sie sagt: "I was ned, ob I des mit meinem P.C. mind set vereinbaren kann."
Das weiß ich auch nicht.

Es stand bald für mich fest. Ich würde 4 Tage, also 4 Nächte auf dem Karlsplatz verbringen. Aber nach Glutamat war schon alles gelaufen. Die gibt es irgendwie seit 25 Jahren und die haben im 20er Haus gespielt, als ich noch im Kinderwagen durch den Schweizergarten geführt worden bin.
Sie haben ordentlich in meinem Herz umgerührt.
In schwarz und mit Schleiern und unheimlich cool. Eine Mischung aus dem Gefühl von einem besetzten Haus, einstürzenden Neubauten, und musikalischen Referenzen: Nina Hagen und Hildegard Knef. Während ich wie auf experimentellen Drogen vor der Bühne tanze regnet es rote Rosen in meinem Kopf.

Am Samstag ist Demo, um 18 Uhr.
Ich schiebe das unelegant ins Programm ein.
Demos müssen nicht immer wütend oder traurig sein; man kann dort Eis essen und gleichzeitig das System verfluchen, zwischen den Nobelcafés mit Nebel aus der Dose.

Ollas kunt is letzte Moi sei, drum suit ma sies uadentlich gem.  

Danach schauen wir eine Band an zu der ich schon wieder kaum persönliche Bezüge habe, sozusagen.
Es klingt sodann wie die Musik, die sich schon in meinen Kindskopf eingegraben hat; frühkindlicher Erfahrungshorizont.
Mehrere Männer im mittleren Alter mit Kopfbedeckungen und "Österreichs einziger Superstar" Willi Resetarits. Sie geben sich so viele Komplimente und loben einander so weit in den Himmel, dass ich es gar nicht mehr glauben kann; aber in Wien trifft das schon zu.
Ich zeige meiner Begleitung M. den Schlüsselanhänger "50 verschenkte Jahre" steht auf einem münzförmigen Metallobjekt, die den gerade Singenden im Profil abbildet. Früher habe ich manchmal Samples von Merch-Artikeln bekommen.
Ein Lieder über das Malipop. Ja, genau so ist es. So Wienerisch wie nur geht, da dürfen sogar Wiener* weinen. Noch ein Zitat: Baby, i bin a Dichter, i kau ned aundas. 
Die Menge hat getobt, es gab Zugaben.

Der Sänger, der Rapper eigentlich von Holy Oxygen ist immer in Schieflage, so nach hinten gelehnt. Er hat tatsächlich die besten moves, ob mit cape bzw poncho oder ohne.
Im Hintergrund tanzt die Muppet Show mit Sonnenbrillen; Oida ur viel Kohle grad. Sagen sie.
Ich kenne und mag diese Art von Musik, es geht darum in den richtigen Clubs abzuhängen und die entsprechenden Drogen zu nehmen. Noch ein Kochrezept dafür: Glück, sich etwas trauen und es einfach machen. Unprätentiös und sofort (Sofort ist die richtige Zeit, sonst ist es zu spät).
Die Zuschauenden sind leider wirklich nicht bereit für interactive games.
Willli Resetarits sitzt inzwischen im Malipop und trinkt ein Achterl.

Am Ende des Abends (eigentlich nicht, #yolo) habe ich mich vollständig in die Rolle hineingelebt; die des Musikjournalisten. Ich erkläre einer Freundin wie das funktioniert mit dem Schreiben von Artikeln über Konzerte.
Neben solchen Grundlagen wie: Wie fühle ich mich? Was tue ich zu dem Zeitpunkt? Welches Getränk halte ich in der Hand? Was machen und sagen die Menschen um mich herum? Warum ist das für irgendwen relevant?
Die Musik muss tanzbar sein (das heißt, wenn sie nicht unheimlich traurig is; dann aber an einer anderen Stelle sicher trotzdem, also bei der letzten Nummer blieb sicher kein Auge trocken!)
Es geht immer darum das Tanzbein zu schwingen, in dem Fall gab es so viele geschwungene Tanzbeine, man könnte glauben es wäre ein Tausendfüßler involviert (...)
Ich mache mir viel zu viele Gedanken über das, was ich mache, schleppe meine Tanzbeine doch noch in die Kunsthalle. Da war ich schon öfters; wo das Ziegelfoyer ist, wusste ich trotzdem nicht.
Es ist bald gefunden, die Zuckerwatte und der Zynismus, Bühnenpräsenz und der Back Up Track vom Handy gespielt.
Born to be wild, Monsterheart. Super.

Das letzte Mal habe ich neuschnee vor vielen Jahren gesehen, in einem Keller von der Sargfabrik, wo man an Tischen gesessen hat; es waren in etwa 25 Menschen anwesend. Davor einmal im WUK, als ich noch Fotos gemacht habe und der Hans auf Myspace meinen Blog kommentiert hat. Das waren Zeiten.
Und daher erkenne ich die von Alma wiederAh ja.
Ich stelle mir Fragen: Wann sind die eine Band geworden? Eine Rock Band; also böse und politisch waren sie schon immer, aber diesmal viel mehr. Meine Begleitung, die lieber anonym bleiben möchte, sagt über den Front Man: "Er ist schon irgendwie sexy." Wir reden über sexuelle Zuneigungsbekundungen (Dieses Wort musste ich erst entziffern).

Ich fühle mich weiter ganz komisch, Bands anzuschauen, die ich vor 5 Jahren das letzte Mal gehört habe; selbstverständlich hat sie damals noch niemand gekannt und nur meine Freund_innen, die heute für Plattenlabel und journalistische Plattformen arbeiten, haben sie mir empfohlen.
Genauso geht es mir beim Nino.
Der Nino schreibt ur die schönen Texte; leider habe ich an diesem Abend wenig davon verstanden, lieber habe ich ihn akustisch und in kleinem Rahmen. Vielleicht versuchen sie sich dem Saal anzupassen, oder mehr Pop zu sein. Jedenfalls hat der immer von ebendiesen Texten gelebt und von seiner Art zu sprechen sowieso. Liegt es daran, wo ich stehe? Nein, hinten ist es genauso schlecht.

Am letzten Abend sitzen wir dann, als alles vorbei ist, beim letzten Zelt, das noch Essen hat und dieses alsdann verschenkt; wir sind Aasgeier.
Eine andere Begleitung, die auch M. heißt, findet ewig Kritisieren blöd und sagt: "Also ich hab's toll gefunden."
Den Tag habe ich auch viel mehr genießen können; es waren praktisch keine Leute da, in Relation.
Ich treffe Menschen durch Zufall, mein Auge ist so geschult, ich erkenne sie aus der Ferne.
Die Bierverkäuferin kenne ich auch, sie studiert Kunst und verdient hier Geld.
Bier ist nur mehr 1€, es möchte nicht mehr weiter herum getragen werden.
Wir gingen davor in die Kirche; endlich Mal ein Grund dafür, dort war ich noch nie drinnen.
Wir zahlen schon wieder keinen Eintritt.
Irgendwie halb aus Wien, halb aus New York, Dorit Chrysler und ein großartiges Instrument, das ich gerne allein gehört hätte ohne der Untermalung; es klingt ein bisschen wie ein James Bond Intro, rotes, grünes Licht und neben dem Bild vom Papst, ziemlich inszeniert und fad. Fette Kulisse, Danke an den Pfarrer. In Zukunft könnten sie die öfter vermieten, wie in Nordeuropa.
Wir werden untergriffig in den Kommentaren, das schreibe ich besser nicht auf.
Wieder hinaus.
Auf den Dixie Klos draußen riecht es wie im Elefantenhaus, Violetta Parisini fährt mit dem Rad nach Hause und pfeift dabei, es ist ein lauer Sommerabend, so hatten wir uns das vorgestellt.
Wir tauschen uns über die letzten Tage aus, M. erinnert sich: "Beim Nino, da hätte ich fast in den Graben gekotzt."
Wir haben neue Freunde gefunden, die mit uns über ihre Drogenerfahrungen reden und ihre eigene kleine Anlage dabei haben. Sie liegt am Boden vom ausgelassenen Teich, die Ente ist weg.