Monday, 28 May 2018

Zahnbürsten

Es gab eine Zeit in meinem Leben da trug ich fast immer eine Zahnbürste mit so einer Abdeckung aus milchigem Plastik für die Borsten, die man zum Schutz darüber zusammen stecken kann, mit mir herum. Das war der erste Satz, der letzte Teil dessen hat mir noch gefehlt, gerade, und wirkt deswegen so dran gestoppelt im Nachhinein. Das ist der Aufhänger für den Text, schief. Mit mir herum, with me around.
Sie hat in die tiefe Übergangsjackentasche gepasst und auch in das vordere Fach des dunkelroten Rucksacks aus Kunstleder, der sich inzwischen durch längere Tragzeit in Einzelteile aufgelöst hat. Weil ich nie so sicher war wo ich schlafen gehen und wo ich aufwachen würde. Und mit wem oder in welcher Stadt oder in welchem Jahr.
Und wo das Schreiben anfängt und wo es aufhört. Das Leben schreibt nämlich überhaupt keine Geschichten. Vor allem in keiner sanften Stimme vorgelesen, also gesprochen wie in der Werbung.
Die Zimmerdecke war eigentlich nie besonders hübsch anzusehen, sie war fast immer einfach weiß oder Raufaser; Bettwäschen gab es oft ganz schöne oder Betthäupter aus Metall, die haben mir gefallen. In Wirklichkeit hatte ich mir natürlich eh nichts anderes gewünscht als die Zahnbürste bei dir auf den Rand des Waschbeckens zu legen, oder sie, tatsächlich unabsichtlich, dort zu vergessen. Oder, im Traum, von dir dazu aufgefordert zu werden.
Um stattdessen wie die harte Sau zu wirken, die ich bin, hab ich dir lieber ungefragt ins Gesicht gesagt: Keine Angst, ich nehm die eh wieder mit. Wahrscheinlich auch noch mit dem subtilen Subtext, dass ich sie bald anderswo brauchen würde. Weil ich bin sowas wie eine strong, independent woman of the 90ies.
Dann war mein Badezimmer meine Küche und das hatte in all seiner Übergangsmäßigkeit für eine Zeit kaum Gewicht. Wie ich das danach gelöst habe, weiß ich gar nicht mehr so genau. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich meine Zahnbürste so lange an einem Ort gelassen habe, dass ich sie sogar mehrere Male auswechseln musste. Ich frage mich, was aus der letzten geworden ist. 

Saturday, 12 May 2018

Gitterpommes

Ich gehe dort zwei Mal im Jahr hin. Und manchmal klingt es dann in McDonald's wie neben einem Herzschrittmacher bzw. wie neben einer Maschine, die dazu da ist die Herzfrequenz abzulesen, die kein Herzschrittmacher ist. Also wie im Film, die lebenserhaltenden Maßnahmen. Inzwischen bestellt man an Automaten und nicht mehr bei Menschen. Und, wenn es in dem Moment Amy Winehouse spielt an der Kassa, bin ich gar nicht sicher, ob sie unglücklich damit ist, tot zu sein. Aber wer bin ich, um das zu beurteilen
Ich glaube auch, dass in der Zukunft alle und alles immer austauschbarer werden und es wirklich langsam an der Zeit wäre diesen komischen, anerzogenen Gedanken von Individualität, Integrität und Authentizität zuerst abzustreifen und dann wegzulegen wie eine Stola über eine Stuhllehne.
Und das beziehe ich auch auf Beziehungen und auf Kennenlernen und Trennungen und Verbindlichkeit und Unverbindlichkeit. Ich möchte es aber nicht umsetzen, es soll lieber so wie es ist auf dem Stuhl sitzen bleiben und sich anschmiegen an eben die Lehne über welche die Stola geworfen wurde; sonst werde ich traurig wie über den verschwindenden Einzelhandel oder die Mittelklasse
Es wird dann auch im Deutschen nicht mehr notwendig sein die Unterscheidung zu machen zwischen "das Selbe" und "das Gleiche". Schon jetzt weiß niemand das richtig anzuwenden oder, ob man es zusammen oder klein schreibt, ich bin da selbst keine zu konsultierende Autorität. Bevor noch die Idee aufkommt: ich sehne mich ganz klar nach keiner strengeren Grammatik, weder im Leben noch in der Sprache. Lieber wäre mir, dass in dieser teuflisch an die Wand gemalten Zukunft zumindest alle Zugang zu Glückshormonen und Weltraumnahrung aus dem Internet bekommen.