Monday, 22 February 2016

Wie ein Speibsackerl im Wind

Ich sitze oben im B72 auf dem schwarzen Grausesofa auf dem ich auch mit 16 schon gesessen habe und schaue aus dem Fenster auf die Gürtelaußenseite. Ein kleines Plastiksackerl hängt im Baum und bewegt sich im Wind. Ein anderes größeres fliegt von links nach rechts in der Richtung vom Verkehr. Der Wind ist ein Wiener und raunzt immer dann, wenn sich das Wetter ändert; besonders viel.
Neben meinem Bett gibt es einen Luftschacht, bis zum Dach hinauf, der manchmal auch pfeift. Man kann ihn aufmachen bei so einer kleinen weiß gestrichenen Türe in der Wand und hat dann eigentlich ein Geheimfach. Außer, wenn ich es hierhin schreibe.
Neben mir sitzt auch jemand, meine Begleitung N., wir loungen auf dem Sitzmöbel. Wir sind beide etwas mitgenommen; sie vom Wochenende und ich vom Leben.
Mein Bauch, zum Beispiel und zur Veranschaulichung, fühlt sich an wie ein Speibsackerl im Wind; das klingt unschön - im Laufe des Abends wird es langsam besser mit ihm.
Wie so oft im B auf Live Musik Veranstaltungen frage ich mich zu Beginn, wer all diese Leute sind und, warum ich die meisten von ihnen noch nie gesehen habe.
Unten fangen die Junior Boys an zu spielen; sie sind super. Ich wusste nicht, dass sie so vieles von dem, was sie an Tönen und Geräuschen produzieren, live spielen. Oder, dass sie so viele sind auf der Bühne. Sie haben schon mal in Wien gespielt, behauptet der Sänger Jeremy Greenspan, und ich vermute, dass das vor meiner Zeit passiert sein muss. Immerhin gibt es die (auf dem Papier) schon seit 1999, wenn auch in wechselnder Besetzung. Er spricht auch davon, dass er sich zu alt und zu fett fühlt für diesen Club. Nach ein paar Sekunden rufen zumindest ein paar Stimmen aus dem Publikum No! Er fühlt sich wohl, schwitzt sein T-Shirt, das er eigentlich gar nicht tragen wollte, weiter voll. Das hinter der Bühne ist ja hier vor der Bühne und man müsste, um zu frischen Kleidungsstücken zu gelangen das Publikum spalten wie das Meer.
Ich erkenne dann doch ein paar Menschen, die gerade ankommen und wünschte sofort dem wäre nicht so; ich wusste, dass das passieren würde. Sie spielen unten So This Is Goodbye (https://youtu.be/cUijIydN8t8; unten kommen die lyrics) und ich denke mir, das passt ziemlich gut. Weil der oder die gemeinsam auch wirklich großartige Texte schreiben, nicht nur vielschichtig tolle Lieder. Aus meinem Mund kommen solche Wörter wie Synth, Pop, Disco, Indie und Techno und die alle zusammengerollt in eines, irgendwie.
Bei jedem Lied, das kommt, freuen wir uns; über das Songwriting, das ich gerne abwechslungsreich nennen will und die Stimme, der einfach wirklich angenehm zuzuhören ist.
N. und ich können uns sehr schnell sehr gut darauf einigen, dass es mehr Menschen geben sollte, die so eine Stimme haben wie George Michael. Wir sind uns sicher, dass sich Jeremy beim Karaoke singen immer nur Faith aussucht und damit ur der Star ist. Mir fällt das When No One Cares Cover - im Original von Frank Sinatra ein - wo jemand mal darüber gesagt hat sie würden "daher georgemichaeln", ein selten schönes Verb, finde ich.
Bei Parallel Lines, wo ich die Wörter immer schon am schönsten gefunden habe, fällt mir am meisten auf wie unterschiedlich der Song klingt im Vergleich zu dem, den ich von der Platte im Ohr habe. Das mag ich.
Gegen Ende wird es abstrakter und wir fallen beim Zuhören von oben von der Gitterbalustrade immer wieder direkt in die Musik hinein, wenn es so klingt als würden sie einfach so vor sich hin jammen, ohne Frage immer auf dem Punkt, und die Laserlichter dazu selbst Gitter bilden.
Eine Besucherin neben uns beginnt wild zu tanzen; ich wünschte ich wäre sie und wäre körperlich gerade dazu in der Lage mich auch gerade so gehen zu lassen.
Fein war's, alles war dabei zwischen Mitwippen und sich wünschen wieder im dunklen, vibrierenden Club zu sein, am Sonntagabend.

So this is goodbye
No need to lie;
This creature of pain
Has found me again.
So this is goodbye,
So this is farewell,
The fight's final bell
And I fall where I stand
So give your last hand
'cause this is goodbye
Tonight it's goodbye
Now I know why
Our love's lost in the rough
And I've had enough,
So this is goodbye

Wednesday, 10 February 2016

Raus die Messer

Am liebsten würde ich mir den Bauch aufschneiden. Eins, zwei, drei, vier gerade Schnitte und dann mit dem Tortenheber hinaus hieven den ganzen Block. 
Weil ich sonst nichts tun kann, oder wenig, bekomme ich das dringliche Gefühl, dass ich zumindest irgendetwas aus dieser Misere machen sollte. Und sei es nur sehr anschauliches, illustratives Schreiben, das vielleicht Ekel erregen-
Wenn ich mich elendig fühle, spüre ich mich schlecht, stehe zwei Menschen neben mir, dritter von links, und bin in meiner Selbstwahrnehmung ganz schön unansehnlich. Das hat wenig mit dem Außen zu tun oder mit dem, wie andere mich ansehen, was andere denken. Das Schöne kommt in dem Fall von innen, nicht. In meinem Kopf ist ein Schwindel, ein ganz langsamer Strudel sich drehend, kein Teig. Keine Lüge, ich würde mich am liebsten mit voller Kraft in die Arbeit stürzen, aus dem ersten Stock einen Stock tiefer. Ich würde mich gerne mit dir einrollen und den Rest drumherum vergessen. Das geht nicht, ich gehe nicht mit, ich muss es über mich ergehen lassen.