Saturday, 14 April 2018

Es braucht alles seine Zeit

Es gibt diese Tage, wo ich eigentlich ganz zufrieden bin mit der Welt und mit mir. Das funktioniert, weil ich dann wenig über die Welt nachdenke oder über mich. Das ist eine Form von Zufriedenheit, die an den Abgründen knapp vorbei schrammt. Weil die Dinge in meinem Körper, die den Haushalt schmeißen, den Abwasch mit den Hormonen irgendwie gut gemacht haben.
Ich glaube, dass Leben so eine Entscheidung ist zwischen spontan und unverbindlich auf der Welle sein und Vertrautheit und Sicherheit auf der anderen Welle. Im Unterschied zu Ebbe und Flut stoßen diese zwei Pole ohne sanften Übergang manchmal hart aneinander. Sie surfen meistens blöd herum wie ziemlich fest und schnell gefrorene Eisberge; erst von einem Wikipedia Artikel zum anderen und dann im tiefen Fall auf der Suche nach Bewegtbildern in die Gletscherspalten von Persönlichkeitstests und plötzlicher Werbung von willigen wie auch fiktiven Personen in deiner Umgebung, die jetzt sofort in diesem Augenblick Sex haben wollen. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass auf den Spitzen der Eisberge Fähnchen im Wind aufgestellt wurden, die ihrerseits eine comicartige und symbolhafte Abbildung von kleinen schneebedeckten Bergen zeigen. Irgendwie winken sie dir zu.

Wie es so plötzlich warm geworden ist, war ich ganz unschlüssig, ob ich dafür schon bereit wäre. Ich habe schon viele Male offenkundig mein Unbehagen über die Ehe geäußert als Institution als solche. Aber manches Mal will ich Menschen schon einfach heiraten und den Rest meines Lebens mit ihnen verbringen
für circa zwei Wochen.
Im Sommer sind die Steine nachts noch so aufgeheizt, dass sie weiter nach außen strahlen. Sie kühlen dann eigentlich nie ab. Ich erinnere mich gut, auch, wenn das gerade noch schwer vorstellbar ist. Meine Straße bäckt so alles, was sich darin bewegt und was sich darin nicht bewegt, weil Wien ist einfach voller Häuser, die aus Steinen sind. Manche sind auch gar nicht verputzt oder gestrichen, die bedecken nicht ihre Blöße. Im Hof treibt übrigens die kleine Feige ihre ersten Triebe. Es ist komisch, dass es mir gut geht, das war schon lange nicht so.
Ich spreche viel darüber wieder wegzufahren
für circa zwei Wochen. Das erste Mal Verschwinden hoffe ich zu empfinden wie einen Befreiungsschlag ins Gesicht. Oder kaltes, klares Wasser aus dem Kübel

Es ist wahrscheinlich einer der kitschigsten Orte der Welt, der Brunnen in der Ecke vom Volksgarten, wo das Sisi Denkmal in Stein
gehauen wurde. Dort denke ich daran wie unwahrscheinlich attraktiv ich es finde, wenn du zuerst behutsam die Epidermis eines großflächigen Laubblattes berührst und nach kurzer, eingehender Betrachtung die Pflanze mit ihrem Namen ansprichst.
Ich möchte heute ausgehen, aber ich habe keinen Fetzen anzuziehen.

Sunday, 1 April 2018

"my acne is cleared, my depression has been cured, i am getting 8 hours of sleep, i am properly hydrated"

Wenn ich sage zu dir oder zu mir und du sagst jedes zu seinem, bin ich kurz irritiert. Im schwulen Online Dating ist es normalerweise so, dass fast alle immer miteinander nach Hause gehen, früher oder später. Das ist klarer Weise total problematisch, diese Annahme und diese Aussage und diese Normalisierung, diese Kultur. Und man muss da ur drauf achten, welche Annahmen sich einstellen und welche Erwartungen sich aufbauen und mit welcher Einstellung man da hinein geht, oder ob; also ich und du und alle zwei oder drei und vier Involvierten auch. Ob man überhaupt den Rahmenbedingungen innerhalb derer die Konversation stattfindet, zustimmt. Und auch, dass man nicht etwas macht oder nachgibt oder sich dazu überreden lässt, weil man das Gefühl aufgedrückt bekommt zu etwas zugestimmt zu haben oder auf etwas eingegangen zu sein, wenn das absolut nie der Fall war, faktisch. Sich vorzubehalten die Pause Taste zu drücken, sich das in Erinnerung zu rufen, im vorderen Teil des Kopfes zu behalten. Das ist aber nicht der Ort für meine #metoo Geschichte.
Du hattest eh zuerst schon vorgeschlagen einfach gemeinsam aufs Klo zu gehen. Vielleicht war es die Reaktion darauf, dass ich nicht auf diesen Vorschlag eingegangen bin, getrennte Wege zu gehen des nächtens. Womit ich nicht scheinheilig sagen will, dass wir nicht gleich nach dem ersten Aufeinandertreffen schon Sex gehabt hätten. Ups. Für manche funktioniert das so
Manchmal passt es, Lust und Laune und Moment und Mensch und Mensch und passt Körper auf Körper, fühlt sich Haut auf Haut gut an und das ist so das Ideale, deswegen war ich fast überrascht, wenn das dann ein Mal mal nicht passiert. Also das Ideale - so gemeint - wenn es sich auch noch mit einer Vielzahl von Interessen überschneidet, die außerhalb von Geschlechtsverkehr und körperlicher Attraktion stattfinden.
Ich habe vieles auf meinem Teller und eh nur am Rande dessen frage ich mich warum die Aktivität, die immer noch weitestgehend für den Fortbestand des Menschen auf diesem Planeten grundlegend ist, so stark tabuisiert und mit Scham besetzt wird und wurde. Und warum nicht stattdessen zum Bespiel der Fortbestand des Menschen auf diesem Planeten tabuisiert und mit Scham besetzt wird. Dieser Gedanke würde mir gefallen, den weiter zu spinnen.
Es kommt mir aus der mich selbst beobachtenden Perspektive fast schon gefährlich vor wie schnell sich zwei Leben ineinander verweben können. In meiner derzeitigen Verfasstheit, da bin ich wahrscheinlich mehr dazu disponiert, mich auf jemanden einzustellen. Wobei das gar kein Ziel ist und ich gar nicht weiß, was das eigentlich ist, respektive das Ziel oder das Verwobene. Dann erinnere ich mich aber, dass sich mein Leben früher genauso schnell mit einem anderen verwickelt hat. Das hat oft circa zwei Minuten lang gedauert und schon waren wir auf dem Weg irgendwo hin. Oder auf dem Weg zu mir. Oder zu dir.
Oder gemeinsam im Taxi auf dem Weg in den Club oder zu zweit auf einem Fahrrad den Weg am Fluss entlang oder nach dem Club zum Frühstück oder einfach nur Hände halten im Bett vor dem Einschlafen. Und Wodka mit Gurken. Oder ich hab versucht dir beizubringen, dass ich Koksen und ein Auto lenken nicht für die beste Kombi halte. Es ist in Bewegung und, wenn mir danach ist, werde ich das machen. Und wahrscheinlich werde ich Teile davon irgendwann bereuen und mich fragen, ob das wirklich notwendig war. Aber immerhin habe ich dann nicht das überwiegende Gefühl, dass mich die Angst des etwas Verpassens von innen her auffrisst