OK, am Samstag lief gerade die beste Party. Alle hatten bunte Blumenmuster an, Teetassen auf den Köpfen und zu Whitney Houston getanzt. Ich geh kurz raus und beobachte wie mich von der anderen Straßenseite aus zwei Männer (zurück) beobachten. Irgendwie so von hinter der Telefonzelle aus. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, ich trage nämlich Teebeutel als Ohrringe und weiße Sonnenbrillen mit dicken, spitz zulaufenden Rändern. Es dauert nur wenige Augenblicke, dann sind sie wieder mehr mit sich selbst beschäftigt. Ich unterhalte mich weiter mit jemandem, will mich nicht stören lassen.
Dann sehe ich, dass sie sich in Bewegung setzen und auf einmal zielstrebig auf uns zu steuern. Einer trägt einen weißen Ordner, der irgendwie offiziell aussieht, der andere ein Schlüsselband mit Logo um den Hals. Sie wirken ein bisschen wie Beamte, die sich jetzt schon ziemlich auf die Pension freuen.
Sie gehen an mir vorbei und machen die Tür vom Lazy Life auf. Ich laufe ihnen alarmiert hinterher und deute den Djanes, dass sie die Musik bitte abdrehen sollen. Einer von ihnen sagt: „Na bumm, do is owa laut herinn!“ (War es gar nicht, darauf hab ich ur geachtet. Aber viele Menschen in fabulous outfits machen halt mal Lärm. Trotzdem war ich beunruhigt, um es mal so zu sagen.) Er schaut sich um, bemerkt mich und sagt „Sind Sie verantwortlich für dieses Lokal?“ (Was für eine Art zu fragen, überhaupt.) Und ich so: „Äh, ja“. Ich rechne mit dem Schlimmsten. Dass sie jetzt eine Kontrolle machen und den Dreck unter meinen lackierten Fingernägeln konfiszieren wollen und dann im Labor analysieren lassen. Oder, dass sie eine Razzia machen und willkürlich alle verhaften, die Teetassen auf ihren hochgesteckten Haaren tragen.
Jemand in der Ecke flüstert „Is it the police?“ und jemand anderer antwortet „No, it’s worse!“
Ich bin nicht alleine mit meinen Befürchtungen.
Der Typ mit dem WKO Schlüsselband, das ich mittlerweile aus der Nähe als solches identifizieren konnte, sagt als Nächstes (zu meinen ungläubigen Ohren) einfach: „Wir sammeln Spenden für einen Kinderschutzverein und machen gerade eine Runde durch die Lokale.“ Und ich bin so WAS ZUR HÖLLE? Erleichtert biete ich ihnen an die Flyer aufzulegen, die sie mir entgegen halten. Um sie später selbstverständlich wegzuwerfen. Der Ordner sieht auf den zweiten Blick ziemlich zerfleddert aus und nicht so als würde er meinen Lebenslauf und sämtliche meiner Fehltritte enthalten. Der A4 Ausdruck vom Vereinsregisterauszug ist so laminiert, dass er sich schon auflöst und das Schlüsselband ist einfach ein zufällig gewähltes Accessoire. Irgendwo regt sich Mitleid in mir, nach dieser neuen Information. Ich schiebe sie mit den Worten „Ich leg die hier auf, ja? Wir haben eine kleine Veranstaltung. OK? Tschau!“ aus dem respektablen Etablissement, verkünde, dass alles gut ist und trinke ein Gin and Tonic für die Nerven.
Dann sehe ich, dass sie sich in Bewegung setzen und auf einmal zielstrebig auf uns zu steuern. Einer trägt einen weißen Ordner, der irgendwie offiziell aussieht, der andere ein Schlüsselband mit Logo um den Hals. Sie wirken ein bisschen wie Beamte, die sich jetzt schon ziemlich auf die Pension freuen.
Sie gehen an mir vorbei und machen die Tür vom Lazy Life auf. Ich laufe ihnen alarmiert hinterher und deute den Djanes, dass sie die Musik bitte abdrehen sollen. Einer von ihnen sagt: „Na bumm, do is owa laut herinn!“ (War es gar nicht, darauf hab ich ur geachtet. Aber viele Menschen in fabulous outfits machen halt mal Lärm. Trotzdem war ich beunruhigt, um es mal so zu sagen.) Er schaut sich um, bemerkt mich und sagt „Sind Sie verantwortlich für dieses Lokal?“ (Was für eine Art zu fragen, überhaupt.) Und ich so: „Äh, ja“. Ich rechne mit dem Schlimmsten. Dass sie jetzt eine Kontrolle machen und den Dreck unter meinen lackierten Fingernägeln konfiszieren wollen und dann im Labor analysieren lassen. Oder, dass sie eine Razzia machen und willkürlich alle verhaften, die Teetassen auf ihren hochgesteckten Haaren tragen.
Jemand in der Ecke flüstert „Is it the police?“ und jemand anderer antwortet „No, it’s worse!“
Ich bin nicht alleine mit meinen Befürchtungen.
Der Typ mit dem WKO Schlüsselband, das ich mittlerweile aus der Nähe als solches identifizieren konnte, sagt als Nächstes (zu meinen ungläubigen Ohren) einfach: „Wir sammeln Spenden für einen Kinderschutzverein und machen gerade eine Runde durch die Lokale.“ Und ich bin so WAS ZUR HÖLLE? Erleichtert biete ich ihnen an die Flyer aufzulegen, die sie mir entgegen halten. Um sie später selbstverständlich wegzuwerfen. Der Ordner sieht auf den zweiten Blick ziemlich zerfleddert aus und nicht so als würde er meinen Lebenslauf und sämtliche meiner Fehltritte enthalten. Der A4 Ausdruck vom Vereinsregisterauszug ist so laminiert, dass er sich schon auflöst und das Schlüsselband ist einfach ein zufällig gewähltes Accessoire. Irgendwo regt sich Mitleid in mir, nach dieser neuen Information. Ich schiebe sie mit den Worten „Ich leg die hier auf, ja? Wir haben eine kleine Veranstaltung. OK? Tschau!“ aus dem respektablen Etablissement, verkünde, dass alles gut ist und trinke ein Gin and Tonic für die Nerven.
Heute morgen klingelt es an meiner Tür. Normalerweise mach ich eh nie auf, wenn ich nicht ziemlich genau weiß, wer das sein könnte. Oder bin sowieso nicht zu Hause.
Ich erwarte aber leider ein Buch in einem Paket, das zugestellt werden soll. Vom DUDEN online shop, nicht von amazon. Es heißt „Versunkene Wortschätze“ und versammelt Wörter, die es nicht mehr ins Wörterbuch schaffen, weil sie nicht mehr oder zu selten verwendet werden. Es hätte eigentlich vor einem Monat kommen sollen, ist aber verschwunden.
In diesem Fall ist es leider nicht das Buch, sondern ein Typ der irgendeinen Strom- und Gasanbieter vertritt. Er erzählt mir, dass ich ab jetzt nur noch 120 Euro im Jahr für alles zahlen muss. Aus dem Grund, weil sich ein technisches Detail, das mir genau gar nichts sagt, ändert. Das wäre doch sicher billiger als das, was ich bisher bezahle! Er redet mit mir so als wären wir buddies and als würde er gerne „bro“ ans Ende des Satzes stellen. Ich möge ihm jetzt nur noch meinen Ausweis geben und hier auf seinem iPad unterschreiben, meint er. Wenn ich das nicht mache, dann bleibt alles beim Alten und ich brenne weiter. Ich erzähle ihm, dass ich mir das noch überlegen würde und mich dann melde. Mit der Absicht mir das nicht zu überlegen und mich nie zu melden, sondern stattdessen bis in alle Ewigkeiten zu viel für Strom und Gas zu bezahlen. Weil Tarife vergleichen, das ist etwas für... die anderen. Danke, OK! TSCHAU!
Ich erwarte aber leider ein Buch in einem Paket, das zugestellt werden soll. Vom DUDEN online shop, nicht von amazon. Es heißt „Versunkene Wortschätze“ und versammelt Wörter, die es nicht mehr ins Wörterbuch schaffen, weil sie nicht mehr oder zu selten verwendet werden. Es hätte eigentlich vor einem Monat kommen sollen, ist aber verschwunden.
In diesem Fall ist es leider nicht das Buch, sondern ein Typ der irgendeinen Strom- und Gasanbieter vertritt. Er erzählt mir, dass ich ab jetzt nur noch 120 Euro im Jahr für alles zahlen muss. Aus dem Grund, weil sich ein technisches Detail, das mir genau gar nichts sagt, ändert. Das wäre doch sicher billiger als das, was ich bisher bezahle! Er redet mit mir so als wären wir buddies and als würde er gerne „bro“ ans Ende des Satzes stellen. Ich möge ihm jetzt nur noch meinen Ausweis geben und hier auf seinem iPad unterschreiben, meint er. Wenn ich das nicht mache, dann bleibt alles beim Alten und ich brenne weiter. Ich erzähle ihm, dass ich mir das noch überlegen würde und mich dann melde. Mit der Absicht mir das nicht zu überlegen und mich nie zu melden, sondern stattdessen bis in alle Ewigkeiten zu viel für Strom und Gas zu bezahlen. Weil Tarife vergleichen, das ist etwas für... die anderen. Danke, OK! TSCHAU!
Später läutet schon wieder wer an. Das Buch hab ich übrigens dazwischen im Postkasten gefunden, das hat mich gefreut. Trotz besseren Wissens betätige ich den Knopf für den automatischen Türöffner der Gegensprachanlage. Vor mir steht nach ein paar Sekunden eine Frau mit zu viel beigem Make Up, das fast die gleiche Farbe hat wie ihr Mantel (she does not know her skin tone). Hinter ihr hievt sich eine ältere Dame die Treppen hinauf.
Die beige Frau sagt: „Danke fürs Aufmachen! Frau whatever und ich führen gerade ein paar kurze Gespräche, weil wir bemerkt haben, dass viele Menschen gerne Gott näher kommen möchten!“ Sie bemerkt das Entsetzen in meinen Augen. Ich fische nach einer diplomatischen Ausrede und sage: „Ich bin grad beschäftigt, ich muss aufräumen.“
Die zweite Dame hat die restlichen Stufen geschafft und kommentiert entzückt: „Oho! Ein Hausmann!“
Die andere zieht währenddessen Flyer aus ihrer Handtasche und sagt: „Wir haben auch eine ganz tolle Homepage!“ Mit meinem Latein bin ich am Ende, Amen. OK, danke, wirklich nicht, TSCHAU! Und werfe so schnell wie möglich die Tür zu.
Die beige Frau sagt: „Danke fürs Aufmachen! Frau whatever und ich führen gerade ein paar kurze Gespräche, weil wir bemerkt haben, dass viele Menschen gerne Gott näher kommen möchten!“ Sie bemerkt das Entsetzen in meinen Augen. Ich fische nach einer diplomatischen Ausrede und sage: „Ich bin grad beschäftigt, ich muss aufräumen.“
Die zweite Dame hat die restlichen Stufen geschafft und kommentiert entzückt: „Oho! Ein Hausmann!“
Die andere zieht währenddessen Flyer aus ihrer Handtasche und sagt: „Wir haben auch eine ganz tolle Homepage!“ Mit meinem Latein bin ich am Ende, Amen. OK, danke, wirklich nicht, TSCHAU! Und werfe so schnell wie möglich die Tür zu.
MENSCHEN OIDA