Saturday, 14 June 2014

Ein Reisebericht; endlich

Jetzt, wo meine Geldbörse, Geldtasche, Portemonnaie gestohlen wurde, muss ich immer wieder meine Identität selbst bestätigen. Das ist unangenehm. Pass, passen. Wie die Queen.

Ein Reisebericht, endlich. (Hin)

Damit bin ich fertig, mit den Reiseberichten, mit den Reißbrettern die Grenzen ziehen; Reisfelder, 
bis zu den Knien im Wasser. Zuträglich sind diese Bilder, die ich mir ins Gedächtnis rufe - dem Vorhaben, das ich vor mir her schiebe, hinter mir her ziehe, vor mir habe, den Bildschirm habe ich vor mir (Ich hätte gerne dein Gesicht vor mir. Das schreibe ich und sollte es besser auslassen, die Luft rauslassen; den Druck und schon so früh im Text) 
Ich habe so viele Dinge zu schreiben.
Nicht, dass es mir jemand auftragen würde, meistens mache ich mir die Schminke selbst. 
Es fehlte nicht an Menschen; Es ist eher so, dass ich an mir selbst hänge, fest. 
Nicht so sehr an meinem Leben an vorderer Stelle, mehr an meinen Mustern, meinen Flecken und Strängen, Verkeilungen. Die Frage ist falsch gestellt. 
Doch, wobei manche fehlen mir. Ich bin keine Insel, weder Trinidad noch Tobago. Ich habe keine Unabhängigkeit erklärt, verklärt; Eier im Glas. Chai Latte, also schwarzer Tee mit Milch, wie sie sich vermischen. Kein Honig für mich, heute. Das Honigglas klebt wegen des Inhalts ein bisschen an der Arbeitsfläche meiner Wiener Wohnungsküche.  
Der Zug setzt sich in Bewegung in meinem Kopf spielt es Pure Morning, der pure Morgen von Placebo, eine Eigenbezeichnung einer kleinen Gruppe von Menschen, die ich immer schon großartig fand. Den Namen. Die Musik hat mich mit 11 Jahren noch verstört, mit 13 bin ich dann hineingefallen in dich, auf dich, all i ever do
Diesmal versuchte ich es erst gar nicht mit dem Netz, dem allvergegenwärtigten. 
Was ich mir auf den Computer spielen wollte, spielt nicht ab, ich verbleibe mit den alten wenigen Stücken, die ich nach Auslöschung der letzten festen Platte noch gefunden habe. Das Laufwerk ist auch hin. 
Ich könnte mir selbst zuhören, aber das dreht sich, dreht sich. Eine Leier. Ist Schreiben nicht etwas an die Schreibenden selbst Adressiertes  
Die Lesenden mitdenken und mich fragen, warum ich sie über meine Schultern schauen lassen möchte. 
Ein Denken an die Zeit am Anfang dieses Jahres, eigentlich war es das Ende des letzten, wo ich alleine in einem Zug saß; alleine in dem Sinn, dass die mir nahe Sitzenden nicht nahe standen. 

Verreisen ist nie dasselbe. Reisen als künstlerische Praxis; lieber Reisen des Reisens wegen, Scheiß auf die Kunst. Hat er sich überlegt zu schreiben und merkt dann, dass es doch der Weg zu einer Biennale ist, der gemacht wird. Und die Kunst ist wichtig, weil die Kunst wichtig ist. Der Zug stoppt und der Schweiß hört langsam auf zu rinnen. Nur noch die Altlasten liegen auf meiner Haut, ein Film. Gedanken an die Kommentare der Menschen dazu, dass jetzt Sommer ist. Es geht immer um Achselhaare und U-Bahnen. Ich versuche das Wort ich zu vermeiden, es ist so aufgeblasen. 
Der Zug steht, er versteht sich
Jedes Monat, mindestens, fahre ich an einen anderen Ort. Es stellt sich aber keine Routine ein beim Packen; 
lässt sich das Wetter nicht voraussagen, unzähmbar ist es förmlich. Die Entnaturalisierung
Ich bin privilegiert, gehöre zu den Privilegierten, die reisen und reisen und reisen. The pretty ones are usually more touristy gefällt mir auch immer noch insgeheim, das zu zitieren. 

Viele Dinge lese ich, Namen, Schlagzeilen, Theorie, Fantasie, Utopie und lege sie ab im Staub auf den Regalbrettern, vorne vor den Büchern; regenbogenfarbener Staubwedel; Mein Gedächtnis mag sie dann meistens nicht mehr abrufen, ich verlasse mich auf Suchmaschinen, auf dass sie mir die Weisheit mit Löffeln aus den Augen herauskratzten. 
Menschen in Abteilen machen Fotos von Menschen in Abteilen. Es blitzt und es ist nicht das Wetter. Das Wetter ist ein heißes, eines vor einem Sturm, vor einem Donnersturm, der vielleicht nie herunterkommt. Das ist Englisch und keine Death Metal Band. Es braucht Augen dafür, Augen, die sehen können, es braucht Alphabetisierung.
Es ist ein Trauerspiel, es ist Prosa und fast schon ein Roman, so pathetisch.

Ich bin verspannt auf die Mitreisenden, zwei Plätze sind gebucht, reserviert, vorhergesehen für jene, die auf den Steigen ausgeharrt haben in der Nachthitze, der verbittenden. Hoffen kann ich, dass sie andere Sprachen sprechen und missverstehen als ich. Dann kann ich es mir schön hören, was sie sagen.
Der Hoffnung war umsonst. Zuerst kam eine, die ich mochte, auf den ersten Blick, die Liebe. Die war natürlich falsch, es war 26, nicht 66. Und die anderen beiden, die nachkamen und noch mehr im Wienerisch sich gepflogen unterhielten, nämlich in der Art zu sprechen: zu kommentieren und zu wiederholen, was soeben geschieht bzw. gerade geschehen war. Vielleicht haben sie einander auch nicht mehr viel zu erzählen, weil sie sich schon so lange kennen; sie müssen, deshalb, um einen Normalzustand aufrecht erhalten zu können, nämlich den der sprachlichen Kommunikation, unablässig auf das Außen verweisen, zeigen auf es mit dem Finger; damit das Außen auch den Normalzustand aufrecht erhalten kann, seinerseits, wie zwei Kübel an zwei Enden der Bambusstange, die ich aus Illustrationen kenne. Abhängigkeiten, Beziehungen, Verhältnisse. Das Licht ist jetzt aus. Diejenigen anderen beiden, die nachkamen jedenfalls, ich beschreibe sie nicht weiter oder benenne, beschwere sie nicht mehr mit Namen und Eimern. 
Wie ein Fisch liegt es mir im Magen. 
Ein runder Bauch steht neben mir am Fenster mit einer weißen Stoffschicht überzogen, wahrscheinlich Baumwolle. Wie sich der wohl fühlt, sich anfühlt. Den zu haben. Und ich höre den Text gesprochen; es hat etwas mit mir gemacht, der Besuch im Theater mit der Figur, die durch das Loch geschaut hat in der Mitte der Bühne, der fünfundvierziggradig schiefen. Sie trug Schmuck dort, Perlen, wo ihre Maske, sozusagen, in ihre Häute überging, sozusagen. 
Ich bin bedruckt von dem T-Shirt mit den Buchstaben, es ist eben weiß. Ein Kind, das ich vor kurzem wieder kennen gelernt habe, besteht darauf, dass auf allen seiner Kleidungsstücke Zahlen drauf stehen; weil mittlerweile kennt es die und kann sie besprechen und bald wahrscheinlich auch miteinander vermischen, also addieren und so. 

Ich fahre lieber nachts mit dem Zug, da habe ich keine Angst zu verschlafen. 

Musen

Ich werde jetzt wieder anfangen Lieder zu schreiben. Das Album-Release mache ich dann entweder im Berghain oder in der Volkshochschule Rudolfsheim-Fünfhaus im großen Saal, dort neben dem Schwendermarkt, das Gebäude mit dem Betonbrunnen, der die gleichen Ornamente hat wie die Wände. 

Friday, 6 June 2014

Mittel Wort

Ich wollte Interviews machen und vielleicht mache ich noch mehr.
Einmal vor, einmal während, einmal nach. 
Sie haben mir Blicke gegeben und Einblicke. Auf Dinge, Sachen
sagen, versagen, scheitern, gelingen, geklungen, Sprechakte. Sich an dem Seil entlang hanteln, die Haken an der Decke, die Rundungen. 
Geschichte schreiben, nicht, das gar nicht wollen. Geschichten schreiben, schon eher. 
Erzählen, nacherzählen, aufzählen, auf dich zählen, los lassen lernen, festhalten verlernen, verkehren, umdrehen, auf dem Absatz kehrt machen, um sich selbst sich drehen. 
Ich habe Gespräche gehabt, geführt, gemacht. 
Dabei Informationen, Material, Wissen im Dialog ausgetauscht wie auch generiert.
Da war eher Raum für Unabgesichertes.
Wir haben diese Wörter abgeklopft wie Teppiche, Ziegel von Teppichboden, die staubigen.
In Richtungen gedacht, die vielleicht erst in sechs Generationen, oder nie, oder fantastisch
Ich habe nicht den Ort bestimmt und nicht das Getränk.
Wir haben über Dinge geredet, die mein Gegenüber, wir, ich wichtig finden und fanden, gefunden haben.
Über Arbeiten; und eine Art von Bewusstsein herzustellen, und, wenn kein Bewusstsein, dann ein Gefühl von gemeinsam gemachten Schlaufen. 
Lange Zeit wusste ich nicht, ob es am Ende ein Produkt geben würde, ein sichtbares, ein materialisiertes, ein zugängliches, eins, um das man spazieren gehen kann. 
Ich hätte das sowieso gemacht, das Reden, es wäre nur anders gerahmt worden. 
Zu jedem Preis weitermachen, zu einem hohen Preis weitermachen. Die Richtung wechseln, abseits von buchstabenbasierter Sprache. 
Bezahlt, unbezahlt, prekär. 
Kapitalismus, als Sammelbecken, Überbegriff. 
Finanziell, emotional. Sich entschieden zu haben;
In Zusammenhängen ausstellen, nämlich kollektiv; mit einer Öffentlichkeit konfrontiert sein.
War es anfänglich ein Erstaunt Sein darüber, warum ich selbst die Möglichkeit so schnell angenommen hatte und das entstandene Bedürfnis mir mehr Gedanken über Produktions- und Rezeptionsbedingungen zu machen, will ich nicht dieses Ausstellungsprojekt als exemplarisch für irgendwas hinstellen, vor allem, hinter allem. Das wäre dieser nicht fair, der Situation gegenüber; ist sie mehrere Menschen und ist sie ein Produkt von Machtbeziehungen, Dinge und Beschäftigungen, Verhältnisse, die eingebettet sind, nicht weich, in einen größeren Kontext; Die Institution, bei der ich mich jedes zweite Mal vertippe und von der alle immer reden, ist (performativ, nicht identitär) kein grauer Block; kein weißer Quader. Schichten freilegen, geben sich frei. Ein Sprechen von "Das reicht bei weitem nicht" meint: eine Kritik auf einer anderen Ebene. Auch das Legitimieren, das Rechtfertigen hat sich an dieser Stelle ganz anders gestaltet; im Laufe der Ausverhandlung hat sich der Kunstraum, in diesem Fall doch, sehr offen gegenüber prozessorientiertem Arbeiten gezeigt. Dass es sich um meine Beobachtung handelt, braucht
Ausstellen in einem Kunstraum, wo das Präsentieren und das Repräsentieren vordergründig wird; Fallstricke und Eselsbrücken. 
Es geht auch um eine verabsäumte Kommunikation nach außen; was passiert innerhalb einer Kunstschule, den Kunstfeldern, welche Prozesse laufen ab, welche laufen davon; 
Welche gesamtgesellschaftspolitische Relevanz hat das? Und was ist das wieder, oder was will es sein. Ein Fokussieren auf das innen, als Konstrukt, und Gläser, Fenster -
Ich glaube es geht nicht so viel um Prekariat und Selbstausbeutung, wie es im Pressetext steht, sondern um Handlungsfähigkeit. Alles, was ich sage ist falsch. Und, wenn alles falsch ist, ist nichts tun auch falsch. Die Grade des Falsch Seins. 
Es lag mir daran Fragen in den Raum zu bringen; nicht an der Hand und nicht auf dem Silber; wenn sie nicht schon da waren. Knoten. Von meinen ausgehend, auf andere eingehend; Umgang, aufmerksam.
Diese räumliche und zeitliche Einheit ist ein Mischwerk. Sie füttert, speist, labt sich an dem, was ihr von der Hand in den Mund
Sie kann für sich alleine nicht stehen, sie lehnt an den anderen. 
Der Slot ist keine Lotterie und kein Glücksspiel, vielleicht kann man trotzdem Münzen einwerfen, ich werde einen Hut herumgeben nach der Vorstellung, der Utopie. 
Ich war zu der Zeit als das erste Konzept geschrieben wurde noch nicht wieder in Wien. Angekommen bin ich auf den langsam anfahrenden Zug gesprungen, die Tür war offen geblieben. 
Es ist ein Kennen Lernen der anderen, der eigenen, ein auseinander setzen, zwischen den Stühlen und in die Ecke, ein Sprechkreis, Architekturen des Sitzens.
Ich habe Begriffe und Reihungen von Wörtern geborgt. Mir selbst beim Führen und Entführen von Gesprächen zugehört, zugelernt. Wörter, die zur Verfügung stehen, die nicht zur Verfügung stehen.
Den Begriff Freie Klasse befragen, auf seine Potentiale, seine Unmöglichkeiten als etwas sich kontinuierlich Wandelndes, Festgeschriebenes, diskursiv Entstehendes, Auftauchendes, Untergehendes. Ansprüche, die er mitbringt, Ansprüche, die aufkommen. Für Einzelne. Die Gruppe, ob es die gibt. 
Zumindest auf Tonspur.
Was sie machen kann. 
Ich behaupte nicht, dass ich die erste Person bin, die erste künstlerische Position, die sich dafür interessiert.
Wer darf sich Freie Klasse auf die Fahnen schreiben und was braucht es dazu? 
Wir zerbrechen uns darüber den Kopf, ob "wir" gesagt werden darf. 
Die einzelnen Scherben von Köpfen.
Zu Beginn habe ich immer gefragt, ob das Gespräch aufgezeichnet werden soll. Das ist dann jedes Mal passiert. Ich hatte keine Ahnung, wie lange es dauert einen Lauf gelassenen Wortwechsel aufzuschreiben, oder 12 davon. Ich werde das erst langsam verarbeiten. 
Gemeinsames Redigieren von Entstandenem und nichts zeigen, was nicht für den Druck gegeben wurde; Nichts würde veröffentlicht bevor es noch einmal durchgesehen wird.  
Offensichtlich gehört mir nichts davon. Nicht alleine.  
Die Form habe ich gewogen: In der geschriebenen Sprache, dem Text, habe ich mehr Praxis, die ist mir näher;  
Bilder gibt es auch, mehr visuelle Information. 

(http://www.kunstraum.net/de/programm/155-dissens-wiederholung-eine-aufmerksame-praxis-versuchen)