Tuesday, 25 August 2015

Kreuzschlitz

Liebes Hamburg, du bist dort eine Karikatur, wo Wien eine Salzburger Mozartkugel ist, bist du Lübecker Marzipan; und die Menschen aussehen wie in ein Architekturmodell hineingesetzt.
Wie ein Glitch zieht sich die Staubwolke über die Bauhügel, auf meiner liebsten Brache, die dann zu einem Autotestgelände gemacht wurde. Genau da habe ich gesessen und den Schiffen zugesehen wie sie Nebelhornmusik gemacht haben.
Eine Erinnerung weiter, geographisch der gleiche Ort, kurz darauf; wir laufen mit sich leerenden Bier und Sektflaschen herum, blasen hinein und imitieren diese Instrumente im Mehrklang.

Gerne mag ich die Geste, oder die Bewegung, wenn man die Zahnpasta auf die Bürste aufträgt, diese dann in den Mund einhängt, währenddessen die Hände frei hat, um den Verschluss wieder drauf zu schrauben. Am besten macht man das auf der Küchenzeile sitzend mit Desinteresse in den Augen.

Ich mache meine Runden, sie sind Windungen einer Schraube
in der Farbe von den Dächern von den Landungsbrücken
Es überkommt mich eine Wehmut, sie ist nicht zu fassen
es geht darum von etwas Vertrautem sich für eine Zeit zu verabschieden; Ich weiß jetzt sogar, was es mit den Mülltonnen auf sich hat, den alten. Warum du darüber geredet hast, im Schwelgen

In den letzten Zügen nehme ich keine Möbelstücke vom Straßenrand mehr mit. Nehme mir zumindest vor es nicht mehr zu tun; schlussendlich steht ein abgeregneter Servierwagen im Vorraum, wir haben ihn durch den Regen gezogen.
Es gibt ein ganzes Wochenende an dem nur hin und wieder Tropfen vom Himmel fallen, es ist wie ein Wink, alles ist voller Menschen, ein Bienenstock, ein Summen

Ich mag es auch, wenn die Kaffeebohnenbrösel auf der Einzelelektroherdplatte liegen und wie statische Sternschnuppen orange verglühen, Zeit für Naturbeobachtung, die Ruhe nach dem

Tuesday, 11 August 2015

We are somewhere else

Um eine Stadt kennen zu lernen baue ich mir mein eigenes Analyseraster.
Weil mir relativ egal ist, ob es irgendwelchen Ansprüchen von Objektivität oder Wertfreiheit entgegen kommt, biege ich mir (visualisiert) die Linien und Punkte so zurecht, dass ich auf ungewöhnliche Wege zum Beispiel auf Randgruppen treffe. Es raschelt in den Büschen, die Kaninchen laufen aufgeschreckt durch die Grünfläche, wir unterhalten uns über kitzelnde Nerven und im Sonderfall über Beckenknochenentzündung.

Das Radio spielt ein Lied, das mir unwahrscheinlich viel bedeutet. Ich höre es über die schlechten Kopfhörer, die man sich in die Ohren steckt, jene welche mal im beauty bag waren und deswegen jetzt Silberschminke an den Kabeln haben; sitze ohne Zugang zu Geld an eine Waschbetonwand gelehnt, die eine Mülltonnenbehausung ist, gemeinsam mit dem knurrendem Magen. Wir warten auf den Nachtbus, der mich noch nicht nach Hause bringt. Alles nicht so wild.

Manche Menschen gehen aneinander vorbei. Sie sind um einen Moment zeitversetzt. Solche, die einander einmal kannten, solche die aneinander deswegen nie kennen werden, solche die aufgehört haben einander kennen zu lernen.
Zurück im konkreten Moment:
Ich stehe ans Straßenschild gelehnt und schaue dabei zu.
Es spielt eine Runde von trompetenartigen Instrumenten daneben; so wenig braucht es um die gelangweilte crowd zu mobilisieren, für einen Moment aus dem Eis,
die Blumen.

Anfangs war ich davon überzeugt, ich würde zurückgehen und alles wäre wie immer/früher
Immer/früher hat es in dem Sinn so lange noch gar nicht gegeben (nur)
um sich als irgendwie konstant oder als Kategorie zu etablieren
Es wird mir schwer fallen zu kommunizieren, was ich hier erlebe. Ich finde dich im Übrigen immer noch super und hätte es schön gefunden

In der Residenz (2)


Stücke vom Juni

Städte wechseln.
Von dort, wo ich temporär wohne, nach da, wo ich schon oft war, aber noch nie gewohnt habe. U-Bahn-Linien haben in meinem Kopf 3 Farben und manche Plätze gibt es auch in mehrfacher Ausführung, nur passen die Bilder, die ich von ihnen habe so gar nicht aufeinander. A city without you

Deine Grabsprüche (ohne Weiteres)
Das beste Konzert seit allen Zeiten war ja Amanda Palmer im Porgy&Bess für 3h + The wind that shakes the barley. Lately habe ich mich ein wenig entfremdet von ihr. Vielleicht bin ich auch keine 15 mehr oder es war lange überfällig, dass ich sie vom Podest auf das ich sie immer gestellt habe, nicht runterstoße, schubse, sondern Höhen angleiche.
Niveau
platt machen

Ich bin so unheimlich, aber gar nicht heimlich, gerne weg. 'Weg' heißt in dem Sinn 'woanders' wo das 'beste Schnitzel außerhalb von Wien' schon aus der Ferne angepriesen wird.
Irgendwie in 2015 25 sein ist mehr wie 45; bei dem Begehren nach hyper-currency (einer Währung von totaler Gegenwärtigkeit)

Die Himmelslinie aus Sandstein, Glas und Betong und roten Ziegeln natürlich, mag ich gerne, Kulissen, auf die zusteuern.

Ich habe das beste Theater gesehen seit Jahren und den besten politHipHop seit langem, so muss das sein, gegenwärtig. Sonst schaue ich höchstens Jelinekstücke im Akademietheater an in Wien, die sind immer grundsätzlich so sehr Abgründe menschlicher Seelen aufblattelnd, das ist super.
Wien bedeutet Hochkultur, Wien bedeutet Schmäh, Wien bedeutet Charme.
Wien bedeutet wenig freie Szene, Wien bedeutet Grant, Wien bedeutet Hinterfotzigkeit.

U+2192.svg to belong

Wenn du dein eigenes Ding machst, ist das instant gratification,
automatic belonging. Einen Platz haben, einen Platz nehmen, einen Beruf, eine Berufung
also "die bürgerliche Idee, dass Arbeit als "Beruf" Sinn gebend ist, weswegen Arbeitslosigkeit als Katastrophe erfahren wird" (S.38)

Als ich im Filmset gesessen habe mit dem Whiskey Sour und wir über konstruierte Situationen gesprochen haben, dachte ich natürlich immer nur I only came here to hang out with you
und das, obwohl ich gar nicht rauche

Jemand hat einen Datenträger gefunden mit meinem Namen drin. Ich war auf einem Konzert in dem es heiß war, hatte meine Jacke ausgezogen aus deren Tasche er in dem Moment scheinbar gefallen ist. Wochen später taucht besagter Stick in einer Schublade vergessener Dinge wieder auf, weil er gebraucht wird und die Barkeeperin kennt mich.

Was ich nicht mag: Wikinger mit Frisuren, die geduscht sind, adrett gekleidet, in control, in Machtpositionen und am schlimmsten in sauberer Sportkleidung. 

Sunday, 2 August 2015

Treffen

Mein Aufenthaltstitel als artist in residence, mit diesem habe ich mich auseinanderzusetzen, this is what I have to work with 
Das, was von mir erwartet wird, das, was ich von mir selbst erwarte
→ having someone to answer to
→ to belong
Die Ansprüche, die ich an mich selbst stelle
die Ansprüche, die andere an mich stellen
Wenn ich etwas mache, dann soll das schon etwas richtig Tolles sein, wobei
Wenn die Geschichte beginnt mit "I'm on a boat." kann nicht mehr viel schief gehen.
Es sei denn die Ratten verlassen
Diesmal bin ich alleine auf dem Boot
/ in a crowd but still alone
Es gibt diese ganz praktischen Sitze mit denen man geradeaus blickt, nicht jene welche zwar im Kreis arrangiert sind, aber nicht drehbar

Fände ich die Worte, würde ich sie vermutlich wirklich sagen.
"Wie ein Mensch nicht zu Ende ist mit den Grenzen seines Körpers oder des Bezirkes, den er mit seiner Tätigkeit unmittelbar erfüllt, sondern erst mit der Summe der Wirkungen, die sich von ihm aus zeitlich und räumlich erstrecken: so besteht auch eine Stadt erst aus der Gesamtheit der über ihre Unmittelbarkeit hinausreichenden Wirkungen" (Simmel 1984: 201).

Man sieht sich immer zwei Mal. Das erste Mal zwischen den Farben, wo ich die Spiegelfolie gekauft habe, grundlos schwitzend, der Versuch von einem Augenzwinkern, das zweite
ein Hinterkopf und Musik.