Saturday, 24 October 2015

Blei

Seitdem ich 9 Jahre alt bin fühle ich mich wie eine in die Jahre gekommene Drag Queen, also eine alternde, spätestens seitdem es Silvester 1999 wurde und der Klappzahluhr meiner Urgroßmutter die Ziffern ausgegangen waren beziehungsweise die Möglichkeiten per analogem Knopfdruck weiter zu schalten.

Und dann tritt der kritische Moment ein, wo die Fenster knacken und die Lüftung brüllt, unentwegt, oder brummt eigentlich, und ich in der Mitte von der Straße gehe
oder auf freiem Feld, frisch geackert, braune dunkle Erde
und mir kommt die Epiphanie entgegen wie die Aida mit einem Kuchentablett, selbst gebacken, danke schön, gern geschehen.

Es ist halb 6 Uhr morgens und es gibt immer noch Pflastersteine, auch in 1070, dort wo sie keinen Asphalt gemacht haben, ersatzweise, wo ich launenhaft, stimmungsabhängig den Linien folge, die Fugen machen. Vor dem Blumengeschäft links, gerade, rechts, eine andere Nacht

Bald schreibe ich meine Autobiographie, sie wird heißen: 75 erste Dates. Ich habe mir selbst ja verboten Kunst aus Online Dating zu machen. Das fällt mir oft schwer, tatsächlich. Vor allem, nach 75 ersten Dates habe ich schon so viel Material, dass es mir weit hängebauchend nachträgt,
dass meine Hauptsache, also die Sache mit dem Kopf,
die Bewältigung der Folgen dieser Zeit,
das meiste ausmacht - - - I'd rather not

Ich bin auch wieder an dem Tisch gesessen, wo man die Äste im Hinterkopf hat. Es gab nicht zum ersten Mal einen Vorspeisenteller, aber sie haben das Nebenzimmer renoviert in der Oase; things change.

Und, ein Nachgedanke: Der Charakter von der Reeperbahn hat sich mir dann am besten illustriert (und offenbart) als ein Typ, am Boden sitzend, mit dem Rücken gegen das Schaufenster eines beliebigen Gassenlokals lehnend, ein solches, das möglichst viel austauschbare Ware mit möglichst austauschbarem Charakter wohl feil bietet, gleichzeitig mit dem Arm einer aufblasbaren Puppe gewunken und nach 50 Cent gefragt hat; das Ganze bauchredend. Es geschah mittags -

Ich lobe mir den Würstelstand am Naschmarkt. Ich habe nie seine Öffnungszeiten verstanden, aber sie haben um 05:15 Kaffee, dem gebührt Respekt in einer Stadt wie Wien, wo mir höchstens mit Koffein das Blei aus den Adern schießen kann

Tuesday, 6 October 2015

Wie sie sich gebärden

Einen Traum den ich vor allzu langer Zeit nicht hatte möchte ich verteilen.
Das, was manche Herz nennen hat eine Schale bei mir. Diese oft besungene Schale wächst wundenkrustenartig zu und verhärtet sich -
So gar nicht Well, baby, they're tumbling down 
Torkeln ist wohl das passendste Wort, um meine Art mich fortzubewegen, zu beschreiben.
Im Sozialen wie im Gehen;
Gesetzt, gesattelt oder gesiedelt ist ein anderes, um zu beschreiben wie es anderen geht, den anderen, always others.

Fortwährend trage ich meine Augenringe tief unter den Augen, nur nach dem Duschen sehe ich aus wie frisch aus der Badewanne, das muss an der Kindheit im Bergdorf liegen.
Wie die U-Bahn beschleunigt und bremst, hält und weiterfährt, wellenlint meine Wahrnehmung, meine Aufmerksamkeit. Ich schwanke.
Bin ein paar Minuten zu früh dran und sehe der der Restaurateurin beim Faltenwurf Putzen zu, so viel alter Dreck und so viel alte Steine, diese Stadt.
Ich tippe ein Gedicht ins Handy mit den Tasten, finde es später wieder im Entwürfe Ordner:

Lieber du ist eine blöde Anrede
Lieber du als ich ist ein blöder Vergleich
Lieber dich als mich ist eine blöde Ansage
In jeder Person, die ich sehe, schau ich nach dir
Also jede Person, die dir ähnelt, visuell und charakteristisch