Einmal habe ich gelesen, dass man jeden Tag schreiben soll, als Ratschlag. Zur Übung und zum Beibehalten von dem, was man kann. Mehr als ein Mal habe ich darüber nachgedacht.
Irgendein alter Meister hat das wahrscheinlich gesagt, der nicht Rembrandt war und wahrscheinlich auch keine Pinsel in die Hand genommen hat, aber sicher ein Mann.
Kunstgeschichte, Penis mit Pinsel. Ionisch, dorisch, korinthisch.
Ob ich eine einheitliche Schreibunterlage brauche, das beantwortet sich ganz einfach mit der Sammlung an kleinen, nicht zer- aber zumindest angeknüllten Papieren, die ich als Ersatzstück für die Tippunterfläche verwendet habe. Diese Versatzstücke lassen sich aber leichter bewegen und brauchen keinen Strom. An einem Papier klebt ein bisschen Sahne vom Pastel de Nata, am anderen ist Saft darüber ausgeronnen, es ekelt mich nicht nur ein bisschen. Bald werde ich diese Sorgen in den Müll ent
sorgen
ent
weder oder sie als abstrakte Kunst in mein modernes Museum hängen, sie mit Hilfe eines Zettelkastens archivieren und künftig stetig darauf referieren.
Wenn man die Fenster zum Gürtel immer offen hat, dann werden die fahrenden Autos irgendwann zu Wellen und Brandung. In diesem und auch in anderen Zusammenhängen kann ich schon verstehen, warum jemand das Antiromantische Manifest veröffentlichen wollte.
Irgendein alter Meister hat das wahrscheinlich gesagt, der nicht Rembrandt war und wahrscheinlich auch keine Pinsel in die Hand genommen hat, aber sicher ein Mann.
Kunstgeschichte, Penis mit Pinsel. Ionisch, dorisch, korinthisch.
Ob ich eine einheitliche Schreibunterlage brauche, das beantwortet sich ganz einfach mit der Sammlung an kleinen, nicht zer- aber zumindest angeknüllten Papieren, die ich als Ersatzstück für die Tippunterfläche verwendet habe. Diese Versatzstücke lassen sich aber leichter bewegen und brauchen keinen Strom. An einem Papier klebt ein bisschen Sahne vom Pastel de Nata, am anderen ist Saft darüber ausgeronnen, es ekelt mich nicht nur ein bisschen. Bald werde ich diese Sorgen in den Müll ent
sorgen
ent
weder oder sie als abstrakte Kunst in mein modernes Museum hängen, sie mit Hilfe eines Zettelkastens archivieren und künftig stetig darauf referieren.
Wenn man die Fenster zum Gürtel immer offen hat, dann werden die fahrenden Autos irgendwann zu Wellen und Brandung. In diesem und auch in anderen Zusammenhängen kann ich schon verstehen, warum jemand das Antiromantische Manifest veröffentlichen wollte.
Wenn ich mein Ohr an die Lehne des Sitzes lege, höre ich Geräusche aus dem Mutterbauch, Meeresrauschen und ein startendes Flugzeug, sich überlagernd. Der Familienvater neben mir lamentiert, dass sein Fuß eingeschlafen wäre, seine Frau beschwert sich über Schmerzen am Kreuz, die hormongeladene Tochter beklagt sich darüber, dass ihr nie geglaubt und sie nie ernst genommen würde.
Es gibt einen großen Sturm, Bäume fallen auf die Gleise. Anderswo haben bei diesem Wetter Menschen unangenehme Gespräche. Sie und ich, wir alle drei, haben nicht die Wahl vor die Tür zu gehen, weil vor dem Fenster Kühe vorbeifliegen. Uns allen dreien droht der Tod von oben oder von seitwärts. Ich bewege mich weiter mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde fort ohne einen Finger zu rühren.
Deutsch ist eine komische Sprache, weil Todesgefahr und Lebensgefahr im Grunde genau dasselbe bedeuten. Oder das Gleiche. In dem kleinen Waschbecken, das die Zugtoilette bereit stellt, möchte ich mich duschen und dann föhnen lassen von dem mit Gitter bedeckten Handtrockner.
Nachdem mir endlich die Augen zufallen, fällt mir gleich wieder der Schein der Taschenlampe der Polizisten ins Gesicht. Wieder bin ich blond genug, um meinen Pass nicht vorzeigen zu müssen; die alte Leier. Meine Augen schließen sich wieder bis die Abteiltür aufgerissen wird und die Zugbegleiterinnen uns informieren, dass wir bald stranden werden wie Wale. Ich bin am Sand.
Nürnberg zwischen zwei und fünf Uhr früh zeigt sich mir gewalttätig und hilfsbereit, zwei für eins. Die Menschen, die ich gesehen habe, warfen entweder (das oder kommt später) betrunken mit Glasflaschen nach Hauswänden, immerhin nicht nach mir. Diese Scherben hätten mir weder Glück noch Pfand eingebracht, höchstens Schnittwunden. Das waren Männer. Oder, wieder andere fragten mich besorgt, ob ich den Weg verloren hätte und wo ich denn hin wollte, aber das waren zwei lesbische Frauen. Sie wollten fast nicht aufhören damit mir helfen zu wollen, so verloren war ich scheinbar in meiner Außenwirkung. Und der eine Mann mit dem ich mich über Gewinnspielsendungen im Fernsehen unterhalten habe, hatte eine Angorakatze, eine echte. Fazit: Ich hatte mir dich viel schöner vorgestellt, dich Stadt. Mehr putzig, niedlich und herausgeputzt als eng, gedrückt und bräunlich. Aber vielleicht siehst du bei Tag viel besser aus.
Die Reise mit dem öffentlichen Verkehrsmittel macht mich immer müder. Ich möchte viel lieber ein Individualfahrzeug, wünsche es mir herbei, in dem Moment. Es kommt nicht. Du wurdest auch nicht auf der Straße zum Filmstar ausgesucht. Und, was am Abend so einfach war, ist in der Früh solch eine Last.
Ich arbeite währenddessen intensiv am Konzept einer Performance. Man sieht mir das nicht an. Auch nicht, als die drei (als Sekretärinnen im Urlaub verkleideten) Frauen mich (auf meinem Koffer sitzend) fragen, ob ich ihnen das Bier mit dem Feuerzeug aufmachen kann. Das erste schaffe ich für meine Verhältnisse relativ schnell, beim zweiten kommt mir schon ein Typ zu Hilfe, der sich endlich für einen Moment in seiner Männlichkeit bestätigen kann. Es arbeitet in mir.
Die Performance heißt jedenfalls Nadine dimensions variable und findet in der deutschen Provinz statt. Das Unwetter hat Nadine geheißen, das hat mir das Internet erzählt.
Es gibt einen großen Sturm, Bäume fallen auf die Gleise. Anderswo haben bei diesem Wetter Menschen unangenehme Gespräche. Sie und ich, wir alle drei, haben nicht die Wahl vor die Tür zu gehen, weil vor dem Fenster Kühe vorbeifliegen. Uns allen dreien droht der Tod von oben oder von seitwärts. Ich bewege mich weiter mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde fort ohne einen Finger zu rühren.
Deutsch ist eine komische Sprache, weil Todesgefahr und Lebensgefahr im Grunde genau dasselbe bedeuten. Oder das Gleiche. In dem kleinen Waschbecken, das die Zugtoilette bereit stellt, möchte ich mich duschen und dann föhnen lassen von dem mit Gitter bedeckten Handtrockner.
Nachdem mir endlich die Augen zufallen, fällt mir gleich wieder der Schein der Taschenlampe der Polizisten ins Gesicht. Wieder bin ich blond genug, um meinen Pass nicht vorzeigen zu müssen; die alte Leier. Meine Augen schließen sich wieder bis die Abteiltür aufgerissen wird und die Zugbegleiterinnen uns informieren, dass wir bald stranden werden wie Wale. Ich bin am Sand.
Nürnberg zwischen zwei und fünf Uhr früh zeigt sich mir gewalttätig und hilfsbereit, zwei für eins. Die Menschen, die ich gesehen habe, warfen entweder (das oder kommt später) betrunken mit Glasflaschen nach Hauswänden, immerhin nicht nach mir. Diese Scherben hätten mir weder Glück noch Pfand eingebracht, höchstens Schnittwunden. Das waren Männer. Oder, wieder andere fragten mich besorgt, ob ich den Weg verloren hätte und wo ich denn hin wollte, aber das waren zwei lesbische Frauen. Sie wollten fast nicht aufhören damit mir helfen zu wollen, so verloren war ich scheinbar in meiner Außenwirkung. Und der eine Mann mit dem ich mich über Gewinnspielsendungen im Fernsehen unterhalten habe, hatte eine Angorakatze, eine echte. Fazit: Ich hatte mir dich viel schöner vorgestellt, dich Stadt. Mehr putzig, niedlich und herausgeputzt als eng, gedrückt und bräunlich. Aber vielleicht siehst du bei Tag viel besser aus.
Die Reise mit dem öffentlichen Verkehrsmittel macht mich immer müder. Ich möchte viel lieber ein Individualfahrzeug, wünsche es mir herbei, in dem Moment. Es kommt nicht. Du wurdest auch nicht auf der Straße zum Filmstar ausgesucht. Und, was am Abend so einfach war, ist in der Früh solch eine Last.
Ich arbeite währenddessen intensiv am Konzept einer Performance. Man sieht mir das nicht an. Auch nicht, als die drei (als Sekretärinnen im Urlaub verkleideten) Frauen mich (auf meinem Koffer sitzend) fragen, ob ich ihnen das Bier mit dem Feuerzeug aufmachen kann. Das erste schaffe ich für meine Verhältnisse relativ schnell, beim zweiten kommt mir schon ein Typ zu Hilfe, der sich endlich für einen Moment in seiner Männlichkeit bestätigen kann. Es arbeitet in mir.
Die Performance heißt jedenfalls Nadine dimensions variable und findet in der deutschen Provinz statt. Das Unwetter hat Nadine geheißen, das hat mir das Internet erzählt.
Sie geht so, dass vorgetäuscht wird, dass bei einem starken Sturm in Norddeutschland sämtliche Bahnverbindungen zusammengebrochen sind. Daher wird hastig, aber ineffektiv ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, zum Schein. Alle Passagier_innen müssen raus aus den Zügen. Niemand weiß genau, was passiert und wie oder wann es weiter geht.
Hunderte Menschen sitzen auf einer Station am Land (Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern) fest und versuchen mit zunehmender Verzweiflung ihre Reise fortzusetzen. Vier leere Autobusse stehen indes versperrt und fahrer_innenlos am Bahnhofsvorplatz. Die Stimmung heizt sich auf. Das regionale Taxiunternehmen ist heillos überfordert. Die Sonne scheint auf die Tourist_innen mit ihren Kappen und Rollkoffern und Nackenrollen und auf die Kinder mit ihren Zöpfen und Teddybären und T-Shirts auf die Teddybären mit Zöpfen gedruckt sind.
Die große Mehrheit der Gesellschaft, bestehend aus Fahrgästen, hat mitteleuropäische Staatsbürger_innenschaft. Es wird versucht über Telefone schlauer zu werden, alle Informationen widersprechen sich. Es gibt Gerüchte, dass ein Zug kommt. Er kommt nicht.
In dem Moment tritt dann eine Person mit Warnweste und Megaphon aus dem Schatten zwischen zwei Autobussen und verlautbart, dass nur 10% der anwesenden Menschen einen Platz im Bus bekommen.
Ich werde bald in die ebenso bittere Realität zurückgeholt. Sie unterscheidet sich (als ganze) von der Konzeption meiner (auf einer wahren Begebenheit beruhenden) künstlerischen Arbeit nur minimal. Ich wünsche mir, dass diese von der der Deutschen Bahn produziert wird. Als Kompensation.
Ich werde bald in die ebenso bittere Realität zurückgeholt. Sie unterscheidet sich (als ganze) von der Konzeption meiner (auf einer wahren Begebenheit beruhenden) künstlerischen Arbeit nur minimal. Ich wünsche mir, dass diese von der der Deutschen Bahn produziert wird. Als Kompensation.
Drei wirkliche Züge und einen echten Bus später nicke ich im Letzteren sitzend permanent ein. Ich beginne Traumfetzen zu sammeln während die versammelten Personen um mich herum Gespräche führen in denen sie Betroffene informieren, dass sie und, warum sie später eintreffen werden als geplant. Im Bus hat es trotz Temperaturstürzen circa 50 Grad. Ich stürze meinerseits am Ende erleichtert in Lüneburg aus dem Omnibus in den Bahnhof hinein. Obwohl ich da gar nicht hin wollte. Mein Blutzucker ist circa eine Packung TUC Kekse.