Thursday, 6 June 2013

Platzen

Dieser Text ist schon mehrere Wochen alt. Er erinnert mich an Weißbrot, das unheimlich schnell austrocknet
Ich tauche ihn daher in olivenes Öl; mehr Salz

Ja, und schlussendlich. (Vor dem Gehen.)
Wo ich wieder anfange die Stadt mit Augen zu sehen. Die nicht blind sind vor all dem Abgenützten. 
Es müssen Pausen sein; und Verhältnisse. 
War es ein Tropfen Wehmut, Wermut, den ich verspürte
Straßenverzweigungen und die Muster im Boden, die nur genau an dieser Stelle derart geformt sind
Geräusche und wie sich die Sprache bewegt in der Luft, getragen wird;
und die Bilder, die ich nehme, weil ich weiß, dass ich sie aus meiner Sicht lange nicht mehr sehen werde die abgebildeten Farben, Linien, Konturen, Kontraste von Stadt und Land, Strand, so oft nicht und nicht in dem Zusammenhang
Die Bilder, die ich weiß, die Bilder, die ich schon gesehen habe, das kollektive Gedächtnis und die Schwimmbecken 
die Seen und Teiche, die sich spiegeln, von oben gesehen
schon vor dem endgültigen (nicht nur vorerst) Verlassen, das sich Verabschieden auf eine Art
(Alles sehr assoziativ.)
Und klar, was das bedeutet, dass man sich einfach in ein Flugzeug setzt
(Nicht einfach, zuerst all die Sicherheiten über sich ergehen lassen muss, wie üblich.) 
das Geld mein Eigenes nicht ist, 
und Besitz
wer gehört sich selbst und auf wen höre ich
zu wem gehöre ich und aus welchem Grund möchte ich auf diesem Grund vielleicht geboren worden sein, das nicht disputieren und auch nicht verweigern, nicht mich aber geborgen fühlen, das stets diskutieren; was es bedeutet dieses Bedürfnis zu haben sich zu distanzieren
Und die Ringe unter den Augen.
Von der einen Krise über das Meer in die andere springen -
Und Menschen zueinander hinzufügen, falls sich jemals ihre Wege kreuzen sollten. Auf, dass sie vielleicht sogar einmal ihre Gene kombinierten. 
Fast alles, was im Deutschen passiert, findet eigentlich woanders statt.
Ich habe das fein und säuberlich getrennt. Wie nichts funktioniert das säuberliche Trennen. 
Die geographische Verortung tut da nichts zur Sache, hat damit nichts zu sehen. 
Im Wahren und im Falschen und im Gelogenen; tatsächlich war die Lady, die neben mir beim Gate 7 gesessen hatte immer noch besser angezogen als die allermeisten, die mir in den letzten 7 Wochen begegnet sind. Das lässt sich einfach so sagen. Wobei manchmal auch grüne Diamanten an mir vorbei Sonnen brillen. 
Es ward dann Licht, als das artifzielle sich ausgegangen ist und dem Verstrahlen der Sonne den Platzhirsch geschossen hat. 
Das Wort ist ein Schatz. Es schätzt ziemlich genau, was es in Angriff genommen hat und setzt ihm dann zu. 
Es hackt an den Seiten so lange hin, bis es ganz breit geworden ist und sich mit vielen Bedeutungen verkeilt hat, aber an Breiten und Banden keine Dehnbarkeit mehr aufweist; erst dann lässt es ab
und es hat so viel Macht über Macht über Macht
es nagelt fest (feasts on
(und Nieten und Maden)
die Kunst und die schiefen Köpfe
das Abwägen und das abschätzige 
das Abwerten 
Wie ich diese Pläne machte, ganz links in der Peripherie, in die Mitte vom Meer der Mitte, wo es gutes Eis geben soll, mich zu versetzen.
Es trifft auch die Zeitzone in der ich die meisten Minuten meines Lebens herumgebracht habe, die Scheibe, das Ziel.  
Meine Wahrnehmung verändert sich natürlich maßgeblich, in fester Beziehung zu der Menge von Schlaf, die ich meinem Körper zuführe, zufüge, zugute kommen lasse. 
Und in einer Wartehalle auf drei Sitzen schlafen, die voneinander entfernt sind. 
Und was der Grund war, warum du just in dem Moment dann doch zugemacht hast; 
warum ich dich nicht danach frage und woher wir zueinander gefunden haben
ob es das Ausbleiben von Konsequenzen, oder die Abgetrenntheit, nein, das in keinster Weise verbunden sein mit der restlichen Welt war, das mich dir mich aufblättern hat lassen
Meine Seiten und meine Rückseiten. 
Das ist keine romantisierte Schilderung von Geschlechtsverkehr.
Wobei ich an dieser Stelle auch hinterfragen möchte, ob die Grenze zu setzen ist, die besagt, dass Verkehr und Geschlechter nur mit Körpern in Verbindung möglich sind. 
Ohne Körper, jedenfalls in diesem, weil wir uns nie getroffen haben, nie. Danke, dass du mich überhaupt bekommen hast, verstanden in einer Art, einer von einer. Mir tut alles leid. 
Pass auf dich auf. 
Es hat mich verstört, wo ich sehr wohl schon Relationen hatte, die sich ausschließlich oder in größerem, gröberem Maße auf die Schrift verlassen haben, auf ihnen beruht haben, wie das Kinn auf der Schulter. Sie sind aber eher versandet oder liegen auf trockenem Eis. 
(Ich stelle mir vor, was ich in der Mode machen würde.
Es sind keine Bilder und ich kann das auch nicht so richtig greifen, es ist in sich zu fern. 
Sind die Parameter zu ungeklärt, zu verklärt.)
Die Farben von den Etiketten haben noch immer keine Bedeutung.
Der Grad der Ausgewaschenheit spricht über die Qualität. 
Ich wage aber doch zu hoffen, dass durch das Einschreiben, das Niedere geschriebene im richtigen Augenblick zu mir zurückkommt und mir zur rechten Zeit mich erinnert, die linke Hand.
Ich treibe. 
Ist es das Konsumieren von Filmmaterial, das mit Musik unterlegt ist, dass Hören und Konsumieren von Ton im öffentlichen Raum zu einer anderen Erfahrung macht, als es die im abgeschlossenen Privatraum ist (und wo ist die Grenze und was ist der öffentliche)
Vermutlich ist "nicht Ohne Titel" immer noch besser als "Ohne Titel" oder "Unbetitelt"; 
wem denn die Autorität zuteil wird, das zu erkennen?
Eines Morgens wurde ich von einer Stimme geweckt, die sehr mechanisch war. Sie hat aus dem Telefon zu mir gesprochen und mir die Uhrzeit geflüstert. Ich hatte sie als Weckruf eingestellt; die Geister, die ich rief.
Zurecht fragte ich mich, warum denn da jemand auf Spanisch irgendwelche Zahlen in meine Ohren muschelt. 
Erst beim langsamen Erwachen meiner Selbst und meiner Wenigkeit, als die ich mich zu diesem Zeitpunkt gefühlt hatte und das sehr wenig Menschliche, das ich da in mir fand - das ließ mich währenddessen erkennen, dass es sich um Portugiesisch handelte. Das Verständnis schaltete sich dazu; viele Dinge passierten auf einmal. Es ist allerdings problemlos möglich, dass zwei Menschen der beiden Sprachen jeweils in der ihnen naheliegenderen miteinander kommunizieren und sich mit geringem Missen von Informationen verstehen. Es liegt vieles in der Melodie und vieles andere im Verschlucken von Buchstaben. Das muss von vornherein geklärt werden. Ich erinnere mich an den Tag an dem wir über den Garten geredet haben und in einem solchen auch gesessen haben. Selten konnte ich mein Interesse an Fragen so gut auf den Punkt bringen. 
Die Küste von Frankreich zieht vorbei; ich erinnere mich an Marseilles. 
Über Spanien habe ich immer versucht irgendwelche Marken am Land zu erkennen, die mir familiär sind, bin daran aber gescheitert. 
Hat sich meine Kenntnis dieser Gegenden doch um Unzahlen vermehrt, verbrachte ich die wenigsten Bruchteile außerhalb meiner Viertel. 

Früher ist mir das relativ leicht gefallen in Textzeilen zu denken, die in eine Strophe von einem Lied fließen sollten. 
Manchmal zählte ich dann die Silben und fragte mich, ob die irgendetwas zur Sache tun würden, zum Rhythmus, zum Reimen. 
Im Übrigen sind die Fälle im Deutschen ein Hund, oder zwei. 
Es ist auch möglich, dass dadurch, dass mein Input weniger breit gefächert ist, oder von anderen ganz neuen Seiten kommt, ich viel leichter bestimmen kann, was ich woher nehme.

Also lande ich im Saharasand, das auf den Autos liegt und klebt; ich erinnere mich an Madrid, es erinnert mich an Madrid. Um mich herum höre ich Laute, in die ich alles Mögliche versuche hineinzudenken und nichts funktioniert. Diese Sprache macht mich verrückt, sie hat einfach nichts gemeinsam mit all dem, das ich kenne; oder ich kann schlicht und schwierig noch keine Verbindungen herstellen, mit dem, was mir bekannt ist. Im Laufe der Tage würde ich dann verstehen, dass die andere Hälfte der Wörter im akademischen Vokabular sich hier heraus herleiten lassen; am besten führte sich mir das Beispiel autodestruktiv vor. 
Auf dem Weg fühlte ich mich fortwährend wie im Lateinunterricht. Zuerst habe ich vor dem Kolloseum ein Panini mit Basilikumpesto und Melanzani gegessen und ein paar Bilder gemacht, die mein Leben ganz abenteuerlich aussehen lassen. Ich konstruiere meine Präsenz auf der Linie. 
Ich erlebte ein kleines Glücksgefühl, als ich Eis auf italienisch bestellte, etwas, das ich schon seit sehr langer Zeit nicht mehr gemacht hatte und in den kommenden Jahren zu gerne wiederholen möchte. Es war das eine kleine Freude, die ich mir gönnen möchte. Es ist das gar nicht schwierig. Vor der Kirche gab es Steine auf denen man sitzen konnte. Da fühlte ich mich überhaupt nicht verbunden, ausgehoben von den Umfeldern. 
Menschen waren schon weniger entgegenkommend (die höflich distanzierte Art, die mir so vertraut geworden war im Westenwesten). 
Kaffee trinke ich zu jeden Tages und Nachtzeiten. 

Von der Krisenstimmung habe ich relativ wenig zu spüren bekommen, vielleicht die sehr sichtbare Polizeipräsenz, ein großes, wichtiges Zusammentreffen von Menschen, die darüber reden und viele Interessierte auch heranziehen. 

Die Dachterrasse, die für die Menschen, die dort leben, etwas ganz Alltägliches ist, weil es die fast auf jedem Haus gibt, zumindest einen Balkon. 
Sie hat an der Front des Gebäudes eine Art einteilige Laube, die aus Beton ist, oder aussieht wie Beton. Ich stelle mir dessen Inneres mit diesen Metallstreben vor. Die sich manchmal mit Rost freilegen und schälen. 
Für mich kommt sie nahe heran an den idealen Lebensraum, der Tisch ist lackiert und rund, die Stühle zusammengewürfelt, nach mehreren Vermutungen aber nicht ausgewählt so. 
Die Straßen, die so grün sind, weil überall Pflanzen sind, die aber auch wiederum angemalt sind an ihren Stämmen. 
Wir hatten die Flaschen und haben sie durch diese getragen. Das Leben war auf der Straße, dort, wo es hingehört. 
Es sind die Regeln andere. 

Das im Vollen erleben. 
Immer reaktionsfähig sein, auf der Höhe und in gleicher Münze zurückgeben, was man bekommt, erwidern 
keine Schwächen haben und sie noch weniger zeigen
und sich so lange mit sich selbst beschäftigt haben, bis einfach nichts mehr da ist,
weil sich alles abgelöst hat in einem Streben nach einer makellosen 
und keine Angst mehr 
und nichts mehr übrig sein

Zu späterer Stunde hat dann der Bus uns in die Pampa getragen, die immer noch mitten in der Stadt war.
Es war nämlich eine Stadt, die auch außerhalb von Zentrum und Meer Dinge hatte, die besuchenswert erscheinen. 
Dort ging es auf einer Sportanlage um explizit gesellschaftspolitische Themen; in mir ging es auch um Bier und Menschen, die ich auf Anhieb unheimlich schätze. 
Eine Seite war ein 90er Jahre Rave in Berlin und zu irgendeiner Zeit hatte ich dann die Perlenkette um den Kopf herum. 
Die nächste war ein Hip Hop resistance act
Ich war unheimlich schnell im Kritisieren, wo ich im Großen und Ganzen das doch als gut und schön und befürwortenswert empfand. 
Auch Personen, denen gegenüber ich eine grundsätzliche Sympathie empfinde, denen bringe ich eine ganz andere Form von Kritik entgegen. 
Das klingt eigenartig, weil es auch eine meiner Eigenarten ist.
Warum verwende ich denn Gegensätze um mich zu definieren;
Ich versuche vermutlich damit den Unterschied zu machen - ein Stück von einem viel komplexeren Bündel von Gefühle, die durch darüber Reden tot rationalisiert werden sollen -
zwischen, wer mir egal ist, niemand ist mir natürlich gleich, und wer mir wichtig ist, wobei ich das in keinem Ranking und in keiner Kontinuität denken
will
Ich versuche dann auch zwischen ehrlicher Offenheit und gefühllosen Kommunikationsstrategien, die das emotionale Innen, wie auch/und Ausleben der anderen Person berücksichtigt.
Wo ich anfange und beginne nichts anderes zu machen als zu wiederholen und hinunterzubeten
ob es das Vorwissen braucht (das im Vorhinein angesammelte) 
ob das zugänglich machen
und, ob das weniger gewalttätig, violent, gewaltvoll ist als mit Büchern (mit kritischen Inhalten) nach Personen zu werfen

An anderen Stellen frage ich mich auch
nach gekochten Zucchini, der Akropolis und Hügel
der Aschenbecher, die türkisene Farbe

Auf der Rückreise habe ich keine Pause, die lang genug ist, um mir das Matterhorn anzusehen und wie sauber und geordnet alles ist im Norden. Ich laufe stattdessen gleich zu einem anderen Tor und spring in die Fänge der Maschine, die mich auf die andere Seite des Südens bringt, wo es ein wenig kälter ist und die Wellen höher sind.
Es gibt Fotografien von dem Urlaub.