Friday, 13 July 2018

Ein Paralleluniversum hat sich zu mir umgedreht.

Es war in der U-Bahn und es ist vor mir gesessen, in die Form von zwei Typen hatte es sich gegossen.
Sie waren wahrscheinlich beide um die 20, haben beide Blue Jeans und beide schwarze Jacken und beide die Haare kurz getragen.
Der, der am anderen linken Platz saß, wand seinen Kopf so weit bis er mir mehr als sein Profil zeigte und fragt (in der Gegenwart geschildert, damit es unmittelbarer wirkt): 
Seids ihr schwul? Ich runzle die Stirn, erwidere nichts, suche Augenkontakt mit ihm, warte mit Spannung, was als Nächstes kommt. Das öffentliche Verkehrsmittel wird zum Begegnungsort außerhalb der eigenen sozialen Seifenblase. 
Es gibt nämlich so eine Party für Lesben und Schwule heute. Ich bin erstaunt darüber, dass er besser darüber informiert ist als ich, frage mich, ob ich vielleicht doch alles falsch gemacht habe in meinem Leben. Also vor allem, was die Auswahl meiner abonnierten Informationskanäle betrifft, ob ich die überdenken sollte. Oder, ob ich ihn erscheinungsbildbedingt und vorurteilsbehaftet in die komplett falsche Schublade gesteckt haben könnte, nicht zusammengelegt und sehr ungebügelt. 
Schön, antworte ich schließlich. Es freut mich ehrlich, dass es diese Feier gibt und die Reichweite der Bewerbung dieser scheinbar ziemlich ausgedehnt ist. Er mustert ganz schnell abwechselnd mich und meine Begleitung. Ich kann sehen, dass es hinter seinen Augen arbeitet. Er fragt: Wer von euch ist das Mädchen? 
Ich wende mich ab und frage meine Begleitung in einer anderen Sprache, ob er wissen möchte, worüber gerade gesprochen wurde.