Tuesday, 1 September 2015

Städte wechseln

und Unterhosen. 
Ich war in der Karibik schwimmen, versuche diesen Trick und kreisle ihn. Wo ist mein Kopf
Um die Tage liegt ein Nebel, nachts sieht man ihn unter den Straßenlaternen
dort, wo du aus der Passage herauskommst (schier) 
um 7 Uhr ist hier Sonne, morgens, und um 7 Uhr auch, abends. 
Man kann dem Licht nach wandern; wenn ich früh wach bin scheint sie in mein Fenster und im metallenen quadratischen Waschbecken spiegelt sie sich im Wasser, das wegen des fehlenden Gefälles nur ganz langsam abfließt, gegen die verflieste Wand, zu. Die Kaffeereste schwammen da, setzten sich ab
Du sagst: Ich werde dich noch mal kreuzen und dir die e-mail Adresse aufschreiben. Das ist kanadisch
ich gehe meiner Wege, du deiner
und ich komme wieder bestimmt, werde das in die 
leiten

Eine kleine Ode
an Freuden +
an Freunde *
an Orte ~
von denen ich mich verabschiede
die weiter ihre Kreise ziehen
ihre Runden drehen
ihre
machen. 
Eine Stadt 
ihre physischen Grenzen (…) 
wo ich anfange und du aufhörst 
ist sie zu klein für uns beide
Ein Möbel zurücklassen
ein lieb gewonnenes
mir selbst Dinge zuschicken, Sender und Empfänger.
Was damit passieren soll, wenn es nicht zustellbar ist
dann kommen die Buchstaben einfach zurück.
Dann leuchten sie und manchmal flackern sie
Ich hätte gerne alles bei mir, wäre gerne ganz bei mir, würde mich gerne vollständig übergeben und mein Innerstes nach außen kehren, einmal drüber wischen und mich wieder zur Ruhe setzen. 

Am letzten Tag sind die Straßen 
an denen ansonsten nur Glücksspiel, Sexarbeit, Drogen und Fast Food angeboten werden, 
gepflastert mit Gold. Man muss nur genau hinsehen und es auch auflesen. 
In dieser Formulierung assoziiert sich mir etwas: 
An anderen Tagen, eigentlich an jedem Tag, sind die Straßen gepflastert mit Stolpersteinen, die sind golden, die erinnern, die kann man lesen. 

Ich bin in die Gänge gezogen; komme nicht in die Gänge, nicht ohne einer Dusche und einem Kaffee und einer Betonung auf der zweiten Silbe, morgens.

Wir haben uns drei mal umarmt, dazwischen immer noch länger gequatscht, geschnackt, geredet, gesprochen
Mein Sprachzentrum steht nicht Kopf, es ist in Schräglage, eine Katze auf dem heißen, abfallenden Blechdach; ihr Bestes tut sich schlitternd festzuhalten, die Krallen in die Eternitplatten versucht zu schlagen. Das ist wie viele andere Bilder eines, das mir lebhaft vorschwebt
das ich immer wieder in seinen Variationen bemühen möchte

Ein anderer Druck ist mir genommen, 
ich habe eine Figur gemacht,
eine Pirouette 
Es gibt Sog und Schwell
es gibt vorsichtig sein und sich bemerkbar machen auf der anderen Seite
ich bin wie in einem halben Rohr hin und her gerollt, zwischen den beiden, habe manchmal Sprünge gemacht und bin dann an der Kante entlang geglitten;
die eingezogenen Schultern, die heraus gestreckte Brust, die Rückenschmerzen, die Verspannungen, die Tiefenspannung, die manchmal nachlässt, 
in den Ohren

Als der Zug über die Brücke rollt
- - - eine Elbbrücke wie ich jetzt weiß 
die größte Flussinsel Europas und solche Informationen 
und der Infoladen 
und die Honigfabrik
und die Zinnwerke 
und der Energiebunker
und der Portugiese
und der Deich
und die Hausnummer
und die Lichterkette in der Küche
und die Ernst August Schleuse
und die Fahrt durch die Industrie - - -
wird die Situation plötzlich wieder realer
Der Wirklichkeitsgehalt steigt
wie auch die tropische Temperatur ersetzt wird durch die der künstlich erzeugten aus der Klimaanlage
Der Reisepass hat eine ganz ähnliche Farbe wie die Bezüge der Sitz beziehungsweise Schlafgarnituren. Ich beobachte meine Umgebung, ich komme langsam runter. 
Im Schreiben finde ich gerade wirklich wieder einen Halt, einen Tritt (beim Klettern, vgl.)
Der Zug ist ohne Netz
nur das Netz an der Wand des Abteils, das kleine, wo sehr wenig reinpasst; keine große Wasserflasche zumindest. 

Ich merke plötzlich wieder, dass ich Gefühle habe. Das ist ein seltsamer Zustand. 
So wie gestern Nacht, als ich bemerkte, dass ich eigentlich gar nicht weg will; was daran liegen mag, dass ich begonnen habe zu idealisieren, was ich bald nicht mehr um mich wissen werde. 
In mir wächst eine Welle heran von Wehmut, von Verzweiflung, von Traurigkeit
Mir blutet nicht das Herz, es ist mehr eine leichte Schwere um den Brustkorb herum. 
Es überschlagen sich die Gedanken

Ich weiß gar nicht, woher ich diese Traurigkeit ziehe, sie ist wie ein Reservoir, das ich anzapfe; dann ist sie da und füllt mich aus 
Die Umgebung, die ich mir ausmale ist eine Höhle, eine tropfsteinerne, 
keine Gesellschaft, die Arme um die Knie geschlungen, locker, nicht depressiv abwehrend
eine Kühle, eine Stille, ein rhythmisches Treffen auf gewachsene Strukturen, 
Stapeln, ablagern, 
ein Brunnen in den ich tappen kann.

Mein kleiner Finger der linken Hand ist immer noch ein wenig gequetscht. Das Metall lag auf dem Metall und dazwischen war das bisschen Körper. 
Ich bin mir nicht zu gut für körperliche Arbeit, eigentlich ist mir das sympathisch; die Bandscheibenvorfälle werden durch Schreibtischarbeit genauso bald kommen. 
Es sieht fast so aus als könnte ich durch kleine Jobs mein Leben zusammenschustern, die Flicken, die patches durch werken zusammenfügen aus der jetzigen Perspektive, ein Schimmer Hoffnung, ein silbernes Linieren, die Wolken

Und plötzlich war überall Horizont, mit Bäumen am Rand. 
Ein See auf dem tagsüber Tretboote fahren und in dem Menschen schwimmen, eine Wiese, eine große Wiese, eine ausgedehnte Ebene voller Menschengruppen, die grillen, die Leuchtmittel bei sich tragen, Lampen, Ketten, Knicklichter, es ist halbdunkel, fast ganzdunkel
Die Stadt hat so viel Horizont, so viele Weiten, so viel offen
sie ist an vielen Stellen nicht für dich gemacht, das lässt sie dich auch spüren
man muss sie sich erst aneignen, aufgreifen, beanspruchen
die glatten Fassaden sich zu eigen machen, die Gläser, die Betone, die unvorhandenen Plätze für Gemeines reklamieren

Reicht es rosa Licht anzuschalten und silberne Glitzervorhänge hin zu tun damit ich mich wohl fühle? würde ich als Carrie Bradshaw, die Kulturjournalismus betreibt, in meine nächste Kolumne tippen. Das ist im Theater, im weiteren Sinn
dem großen Areal, das wie ein Spielplatz auf mich wirkt, eine Wundertüte von Dingen; ich lustwandle von Aufbau zu Aufbau, die Rindenmulche suchen mich heim

Manche Musiken passen schon jetzt nicht mehr, sie waren situationsbedingt, situationistisch das beste, was mir passieren konnte. 
Ich will am liebsten im Club sein, im Dunklen, mit den tiefen Bässen, die spüren, mich spüren, stampfen, schaukeln, wiegen 
An den Liedern, die ich gehört habe, kann ich wohl ablesen in welcher Tiefe oder Höhe ich mich befunden habe; das sind keine Pole, vor allem nicht zwei. 

Ich schlafe gerne mit Menschen, die ich mag. Ich schlafe manchmal auch mit Menschen, die ich attraktiv finde. Die kenne ich dann noch zu wenig, um zu wissen, ob ich sie auch wirklich mag. 

Das Gefühl noch irgendetwas zu erledigen zu haben, ein Irrtum

Meine Ansprüche sind tatsächlich relativ niedrig, ich bin in meinem Wesen sehr genügsam, genieße viele, einfache, simple, unkomplizierte Dinge in vollen Zügen
nicht das Verkehrsmittel 

Mich unterspült eine Begeisterung, die Füße, die im Sand stehen und der Wellengang; 
mich befällt ein Überhang von Erleichterung, ein Stein mir auf den Kopf; ich wache auf wie aus einer Starre; keine Salzsäulen hier. Ein bleierner Kokon den ich wie einen Rock nicht abstreifen will

Es fühlte sich an als würde ich rückwärts gehen nur 
an einer Stelle hatte ich Atemnot und mir wurde übel, es schwärzte sich vor Augen.
Das habe ich überlebt; eine Freundin hat mir aus der Patsche geholfen, sie wusste nicht, was es mir bedeutet. Niemand wusste das. Als ich in der Mitte der sechsspurigen Ost West Straße auf dem Streifen stand, mit einem Klavier um die Schulter und dachte: Wenn ich jetzt überfahren werde, ist das Instrument hinüber und ich auch. Das macht keine gute publicity. Und ich stünde ewig in einer Schuld, und nicht mehr auf der sechsspurigen Fahrbahn, wobei das im Todesfall mich nur noch wenig rühren würde, keine Drehungen im Grab verursachen würde, hypothetisch.
Welten wechseln; Rotationen. 
ich war plötzlich wieder dort auf dem Boden, sitzend, und hörte die Schreie, mit ansehend
ohnmächtig und verschreckt
ich war tatsächlich in einem Gebäude, das um 1650 in seinen Grundzügen gebaut wurde; die Vernunft war auf meiner Seite, ihr Name begann mit A, sie ist großartig
Ein zweites, kleines Mal, das es nicht zu verharmlosen gilt, drehte es sich auch; es war als mir die eigene Abhängigkeit am bewusstesten wurde

Der Halt kommt, die Menschen kommen und gehen nicht mehr, der Halt geht. 
Die Wagen rollen weiter, es ist wieder eine dieser deutschen Städte, deren Namen ich kenne, über die ich aber keine weitere Kenntnis habe, mich nicht in eine solche gesetzt habe. 

Es geht mir um möglichst genaues Vermitteln eines nicht besonders genauen Sachverhalts
einer Vorstellung
einer Ansammlung von feinen Wassertropfen, einer assoziativen Art des Schreibens
So sind die Dinge
so sind die Dinge in einer Annäherung 
so verhalten sie sich 

Ich habe gelernt zu fragen
den Unglauben ungelernt, irgendwann sogar aufgehört zu sagen "in Wien gibt es das nicht" mehr in die Richtung von "hier passiert das" und das Vokabel Möglichkeitsraum nicht ausgelutscht, sondern nicht nur zu denken, so blöd es klingt, zu leben gelernt

Die Konflikte sind ähnliche,
die Zusammenstöße heftig,
das Gefühl ein unangenehmes, eine dicke Haut kann nicht schaden; vielleicht muss das
viel leicht oder viel schwer

ich habe überschrieben, Erinnerungen, Verhaltensmuster zum Teil aufgetrennt und neu gestrickt
I Will Survive