Monday, 19 March 2018

Gefühle

Ich bin jetzt achtundzwanzig und habe vielleicht das erste Mal verstanden, was es bedeuten kann "auf sein Gefühl" zu hören. Die Zahl, das Alter ist hier keine Wertung oder Setzung, sie ist eine Notiz und ein Marker für mich. Das Gefühl von dem immer alle reden und das Bauchgefühl und das Gefühl im Bauch. Und wie anfällig für fehlerhafte Analysen und Kurzschlüsse das Gehirn ist, das menschliche, das verstehe ich auch immer mehr, im Ansatz, so wie halt Verstehen funktioniert. Und wie schnell es Dinge vergisst und Sachen verdrängt, wie schnell sich Denken und Verhalten ändern können; bis sich irgendetwas, irgendein Kleinhirn sich erinnert, was davor war und wie davor entschieden wurde und empfunden. Und wie daraufhin alles mit kleinen Änderungen und einem großen Rumsen ins alte Muster zurückfällt. Irgendwie drängt sich mir ein Bild von Zahnrädern und Riegeln, die ins Schloss gezogen werden, auf. Ich denke, dass meine Gefühlswelt öfters so funktioniert wie eine Plusminusliste und nicht wie ein Prisma von Farben in das ich mit der Pipette eintauchen kann, um zu bestimmen, was da gerade abgeht. Deswegen bin ich da so verkopft und hänge oft an etwas lange fest, weil ich mir denke, das muss doch, rein rational betrachtet müsste das doch
und dabei übersehe ich mehr als die Hälfte.
Circa so wie wenn ich sturzbetrunken die Augen zukneife und zielsicher und entschlossen auf einen abstrakten Punkt in der Ferne bzw. die Bar zusteuere und innerhalb kürzester Zeit das erste Adjektiv mit Bedeutung befülle, also brutal über ein Stuhlbein stolpere; so sashay ich zum drittletzten Bus im tropfenden Regen. Der warme Wind weht mir in den Rücken, es flattert mir sanft die heidelbeerfleckenfarbene Jacke um die Hüften. Ich mache hier aber den Unterschied zur darüber geschilderten Situation und gerate nicht aus dem Rhythmus und komme dem Boden nicht bedeutend und auch nicht schnell näher. Gespannt wie ein Pfitschipfeil bin ich, wann mir ein Ast auf den Kopf fallen wird oder
und dieser kleine Höhenflug vorbei