Sunday, 25 September 2011

Liberté!



1. Grundsätze


Freie Klasse: Selbstbestimmte Lehre

Eine Gruppe von Studierenden der Akademie der bildenden Künste Wien arbeitet momentan an der Ausformulierung der Strukturen und Inhalte der neu gegründeten Freien Klasse.
Die wesentliche Motivation ist es, eine Form der offenen und insbesondere selbstbestimmten Lehre zu entwerfen, die sich als Alternativmodell zum Meisterklassenprinzip versteht.
Wir verstehen die Freie Klasse als Rahmen, innerhalb dessen wir durch die eigenverantwortliche Wahl der Inhalte eine selbstbestimmte Lehre praktizieren. Das spontane und flexible Eingehen auf Interessen, die sich während der Arbeitsprozesse der Studierenden generieren, ist ein wesentlicher Bestandteil des Lehrmodells.
Durch die partizipatorische Praxis entsteht eine Vertrauensbasis, die sich positiv auf das Arbeiten auswirkt und in der vermehrten Umsetzung gemeinschaftlicher künstlerischer Projekte resultieren kann.

Partizipation und Dezentralisierung

Das sich entwickelnde Lehrmodell ist offen und partizipativ. Auf diese Weise lässt es den Spielraum, verschiedene Beteiligte in die Arbeit der Freien Klasse einzubinden. Durch die Einbeziehung von eingeladenen Künstler_innen, Kulturphilosoph_innen und Wissenschafter_innen in die Freie Klasse wird ein Forum für die Begegnung und den Austausch mit Kolleg_innen geschaffen, aus dem autonome Zusammenarbeit hervorgehen kann.
Dadurch verlassen wir die Position von reinen Wissenskonsument_innen und setzen uns bewusster mit der Frage nach unseren Anforderungen an die (Kunst-)Ausbildung auseinander.
Die eigenverantwortlich organisierte Lehre verstehen wir als Teil künstlerischer Praxis und sehen unser Handeln als konstruktive Kritik an bestehenden Strukturen.

Nachhaltigkeit und Synergieeffekte

In der Freien Klasse wollen wir sowohl mögliche Potentiale bereits etablierter Räume ausloten, als auch neue Herangehensweisen an Wissensvermittlung erproben. Die Befähigung zur Kritik ist nicht nur innerhalb der Kunstausbildung eine wesentliche Kompetenz, sondern unterstützt auch die selbstbewusste Positionierung als Kunstschaffende.
Die permeable Struktur der Freien Klasse dient als Grundlage für die Vernetzung der einzelnen Institute und Klassen. Die Synergieeffekte, die sich aufgrund des mangelnden Austausches bisher kaum nutzen ließen, sollen forciert werden.
Einer als offen definierten Gruppe, in welcher der Beitrag der Mitarbeitenden zugleich Struktur und Richtung der Zusammenarbeit bestimmt, ist die nötige Flexibilität inhärent, um veränderte Rahmenbedingungen und Bedürfnisse zu berücksichtigen. Durch eine dezentralisierte Arbeitsweise entstehen ausgehend von der Akademie nachhaltige Netzwerke, die dynamischer auf aktuelle Diskurse reagieren können.


2. Umsetzung und Lehrformate

Der Lehralltag in der Freien Klasse soll sich zusammensetzen aus:

---> wöchentlichen Klassenbesprechungen (Studierendenpräsentationen, Atelier- und Ausstellungsbesuche, Besuche von Archiven und Depots und extern organisierter Veranstaltungen)

---> offene Klassenbesprechungen mit Gästen (Künstler_innen, Alumni, Kunsttheoretiker_innen)

---> Workshops mit Gästen

---> von der Klasse organisierte öffentliche Veranstaltungen (Vorträge, Talks, Ausstellungen,...)


Das Angebot ist in erster Linie an die Studierenden der Akademie bzw. an Künstler_innen in Ausbildung gerichtet. Es ist aber auch vorstellbar, manche Aktivitäten der Freien Klasse zu öffnen, um auch ein außeruniversitäres Publikum einzubinden und dadurch zusätzliche Kollaborationsmöglichkeiten zu schaffen.

Mindestens zweimal pro Semester soll ein Infotreffen stattfinden, um Interessierten den Einstieg in die Arbeit der Freien Klasse zu erleichtern. Gleichzeitig wird dadurch der Arbeitsfluss der Gruppe aufrechterhalten.

Organisatorisches, wie zum Beispiel Kalenderführung, An- und Abmeldung zu Aktivitäten und Korrespondenz soll über die Website der Freien Klasse und andere Online-Plattformen erledigt werden. Zusätzlich sind regelmäßige Organisationstreffen geplant.

Als Auftakt der Arbeit der Freien Klasse wird am 17. und 18. November 2011 das Symposium “Photography Unplugged” an der Akademie der bildenden Künste stattfinden. Die Veranstaltung versteht sich als Forum, das anhand von Vorträgen, Talks und Performances Raum bietet, um mögliche Folgen der Erweiterung eines fotografischen Begriffs zu diskutieren
mfg

ttt