Monday, 2 April 2012

Konzerte

Klar, könnte man auch irgendwo Oxitycin versprühen.
Doch, ich habe aus amerikanischen Teenager Filmen gelernt, dass das nur mit der großen Liebe so richtig gut funktioniert. Die anderen sind die Bösen, die Verwerflichen, die gleich mit jede_m in die Kiste steigen. Und das Böse kommt von außen!
Ich habe also nicht an meinem Lebenswerk, meiner persönlichen Utopie des Gesamtkunstwerks gebastelt. Vielmehr habe ich, wenn ich retro spektiere gar nichts gemacht, wovon ich erzählen wollte. Doch, als Erinnerung habe ich ja dort oben den Titel hingetippt.
Jedenfalls, weg hier von den nach elektronischem Staub riechenden Geräten - ich mag das sogar bis zu einem gewissen Grad - genauso hat mein letzter Computer gerochen, bevor er angefangen hat Funken zu sprühen und zu rauchen, zu krepieren - er erinnert mich vielleicht auch ein bisschen an Kindheit und unter Mischpulten herumkrabbeln und mich darüber wundern, was denn dieser eierkartonförmige, grau glitzernde Schaumstoff soll. Ich atme den gerne, nicht die Strahlung, die Feinstaubelektronenpartikel oder wie das heißt.
Weg davon, jetzt endlich, hin zu Gaffa Tape und Rauch, der den elektronischen Staub übertüncht und verschüttetem Bier.
Konzerte sind auch nur eine andere Strategie, sich von der unablässig zustechenden Bedeutungslosigkeit zu verstecken.
Für einen Moment.
Sich bewegen zu können.
In der letzten Woche habe ich drei besucht, die Mehrheit war ganz gut.
Es gab Ohnmacht, es gab Neonröhren und es gab Unterhaltung.
Es gab das Gefühl, dass sich die auf der Bühne selbst nachlaufen würden, sich aber nie einholten;
Bis auf ein einziges Mal mit der Glühbirne von Ikea.
Es gab ein Gefühl, das ich nicht ganz auf den Punkt bringen konnte. So wie ein Lied, das man gerne hört, aber wirklich nur ganz selten; nicht zu besonderen Anlässen, sondern einfach so.

Ein bisschen vermisse ich die Bühnenpräsenz, gewaltig.
Die Minuten wo ich die Welt, die Zeit als ziemlich irrelevant empfunden habe.
Kein Gedenke daran verschwendet wurde.
An die Bretter, jene welche die Welt
vor dem Kopf hat, denen auch mal die kalte Schulter zu zeigen.
Und den Rest in den Hintergrund, die Schatten treten zu lassen.
Passagen, in denen dich nur ganz wenige Menschen auch nur irgendwie annähernd verstehen konnten, jede_r auf seine Art und Weise. Es ist noch nicht genug, mehr Mythos, mehr Pathos!
Für ein erstaunliches Maß an Hingabe, an Intensität und rauhes Gefühl zu Tönen, wie Farben, wie Liebe, wie Licht, wie Musik gemacht werden möchte. Genau wie du sie fühlst, gezeichnet, danke. Thomas Schütz und Trockeneis

mfg

von freud und leid