Was davor passiert ist.
Ich fühle mich zunehmend sicherer auf dem Pfad, auf dem ich Seil tanze.
Der Zustand lässt sich vielleicht nachempfinden wie folgt.
Ich behaupte mich und behaupte, dass ich manche Entscheidungen erklären kann und an gewissen Stellen, das, was ich tue, bewusst begehe.
Ich tappe im Dunkeln, habe aber Boden unter den Füßen. Die gefundene Fläche, die da sein muss, weil sie Halt bietet, die kann ich markieren.
Sie zeigt sich auf der Landkarte, die in meinem Kopf, unregelmäßige Ränder hat und nur ganz punktiert sichtbar ist - sehen können muss man dafür nicht, sie ist nicht mehr flach, es hat ihr dort nichts zugesprochen und zu viel gefehlt.
Die Schritte gehören keiner Choreographie, die Spirale sieht von oben aus wie ein Kreis.
In dem Moment fahre ich über die Grenze.
Der einzige Unterschied besteht darin, dass das Bier hier billiger ist und wirklich tschechisch schmeckt. Gehaltvoll wie Knödel mit Preiselbeeren. Alles scheint dort; echter.
Erst vor drei Wochen hatte ich denselben Weg gemacht, in die verkehrte Richtung. Die Melange ist sehr ähnlich, nicht so die Begleitung.
Die Asche meiner Urgroßmutter steht am Zentral und nicht hier.
Da ist ein Raum, wo, in meiner Schätzung, oft Dinge versteckt werden, versteckt und verschwiegen. Er ist ein bisschen wie das Leben.
Es geht um Dinge, immateriell genauso physisch, beispielsweise Kabel, Material, Prozesse, die der Ausstellung voran gegangen sind, die sich ihr beigetragen, beigemengt haben.
Wobei, ist die eigentliche Arbeit, das Produkt, der Zwischenstand, die Arbeit im Raum, oder die Arbeit, die davor geleistet wurde. Punkt. Sprache lässt das durchaus zu. Wenn Fragen als Feststellungen und Entscheidungen festgeschrieben sind und somit nicht getroffen werden möchten; das nicht ermutigen, das Auflösen, das Antworten. Dann muss das auch nicht polarisieren, dialektisch gedacht, festgelegt werden. Angefochten werden kann dieser Versuch gerne.
In dem Haus, in dem ich die längste Zeit meiner Jugend verbracht habe, findet es statt. Ich fand das spannend, was das mit mir und dem Ding machen würde.
Mir war es daher umso wichtiger auf den Raum einzugehen. Ich bin also hineingegangen
habe ihn geschaut.
Auch, die gemeinsame Geschichte und Bindung weggedacht, ist er dominant; ein unregelmäßiger Ort.
Wie ich ihn vorgefunden hatte, wollte ich ihn nicht belassen, ich habe in ihn eingegriffen.
Nicht ganz in der Mitte befindet sich ein Schlot, ein Rauchfänger, von weißer Wandfarbe eckig, flächig, dünn ummantelt; wie heiße Luft im Sommer mit Wind; wenn es brennt, umgekehrt.
Die Sprache in der Schrift hilft mir, mit Reißnägeln die Fetzen und Schmetterlingsflügel von Gedanken und mir passierten, oder eröffneten Erkenntnissen an die Grundlage zu pinnen. Das gemachte Bett, sie da hineinzulegen.
Die Matratze und die Federn. Die sind geblieben!
Die Nieten und Nägel, die schon da waren, miteingeschlossen.
Was von mir als störend empfunden wurde, habe ich entfernt.
In dem Bewusstsein, dass es dadurch nicht aus der Welt ist.
Und was zu sperrig war, blieb genauso.
Der schönste Teil der Strecke ist dort, wo die Straße den See spaltet.
Wie Moses im Märchen.
Vermutlich ist jenes, welches, auch oft ein Hinweis. Das hier ist Kunst, alles andere nicht, deshalb wird das andere weggesperrt. Aus dem Grund gibt es wahrscheinlich die weißen Wände und die leeren Hallen.
Auf dem Grund erst mit der Zeit Schuhspuren.
Die Türen, die offensichtlich Zugang bieten, und Kein Zugang sagen. Da lenkt nichts mehr ab vom Wesentlichen. Nur keine Kabel und keine Schrauben zeigen, die lassen Rückschlüsse zu, nein, ermutigen an Unfertiges, Unheiliges zu denken.
Ich habe die Kulissen und den Bretterboden immer schon mehr gemocht, das Theater weniger geschätzt, das eine kann vielleicht gar nicht ohne dem anderen.
Installatives Arbeiten ist wohl immer ein Arbeiten mit dem Raum, mit den Gegebenheiten; stärker ausgeprägt ist diese Kollaboration, als in manch anderen Formen, meine ich.
Den Akt, Dinge weg und oder raus zu nehmen, das habe ich somit versucht mit zu thematisieren, mehr formal.
Zurückgelassenes, dort gebliebenes Material, welches im Arbeitsprozess angefallen ist, lese ich gerne als Wink, dass künstlerische Arbeit zum einen Arbeit ist, die wert zu schätzen ist. Nicht notwendigerweise monetär, aber auch, in der Folge. Zum anderen, dass die Vorgeschichte nicht weniger wichtig ist als der Punkt an dem das Entstandene gezeigt wird und die momentane, werte Befindlichkeit. In vielen Fällen ist es das vielleicht mit Absicht so geschehen.
Die von mir so konstruierte Arbeit stößt sich vielleicht auch daran, und stärkt sich vielleicht auch daran, dass der Ausstellungsraum so stark mit einbezogen wird.
Wie soll es denn dann verkauft und transportiert werden, das Werk?
In welches Wohnzimmer passt denn ein ganzes Zimmer, das dann begangen oder bestaunt, bestattet werden kann.
Wo beginnt es und wo höre ich auf?
Fragen sind ein fürchterliches Instrument, lieber würde ich Geige lernen.
Etwas Tragbares.
Das Spiel mit Rahmen ist von mir aus ein Augenzwinkern.
Die rechteckigen Formen von Spiegeln, Bildern und deren Umrandungen.
Die in diesem Fall tatsächlich als Dekorationsobjekte gedacht waren von der Einrichtenden.
Dafür habe ich Platzhalter gesucht; die Deko und das Möbel sollten vertreten werden.
Aus OSB Platten und Karton, Hüllen in ähnlichen Formen, Größen wie das Entnommene, Deplatzierte.
An keiner Stelle war es auch nur annähernd meine Absicht diesen Dingen eine genau Entsprechung zu geben, sie nachvollziehbar zu repräsentieren.
Ich wollte gerne subtile Eingriffe vornehmen, mir dabei darüber klar werden, was subtil im Großen bedeutet, wie viel Spielraum es im Ganzen zulässt und was Eingriffe sind, wenn sie nicht chirurgisch sind, und, eine Hand mit Messer im Bauch zu haben, bezeichnen.
Der vorgefundene Raum ist Teil des Ateliers, im selben Stockwerk, war früher Arbeitsraum, ist heute Gästezimmer.
Geschützt und voller Holz, ein bisschen geweißten Wänden, so fühlt er sich an.
Wie in einem Hotel, vergleichbar, einer Unterbringung, kann der Raum minimal auf die Bedürfnisse der ihn bewohnenden Person angepasst werden.
Bleibt aber an sich die meiste Zeit unverändert, nein, er wird in diesen Zustand zurückversetzt, so genau wie möglich, Muss er in den Soll Zustand gebracht werden, die Zeit würde sich am liebsten zurückdrehen und die Falten besser dorthin zurückgehen, wo sie hergekommen sind.
Wie auch nach der Ausstellung. Ich selbst spure nur minimal, suche lieber selbst nach dem, was der Raum bisher gespürt hat.
Ich kramte in meiner Werkzeugkiste nach einer halbwegs passenden Lösung, wie ich mit mobilen und immobilen Gegebenheiten umgehe, die mich nach längerem Weg immer noch nicht unglücklich macht.
Bei drei Ausstellungen, die im Herbst auf die Bühne gestoßen werden, trifft sich das.
Möglich ist, dass ich dann alles schon ganz blöd finde.
Um den Raum also seiner Funktion zu entheben, den Nutzen wegzutragen, und den Wert mit dem Schöpflöffel in einen anderen Topf zu gießen, habe ich Verschiebungen gemacht.
Wir waren uns einig, dass das Zimmer neutraler gemacht werden musste.
Zu den widerlichsten Phrasen in der menschlichen Sprache gehört wohl die visuelle Hygiene. In mir weckt sie ein Grauen, ein Schmieren, ein Fettfleck am Silberspiegel in der Kosmetikabteilung.
In diesem konkreten Fall ging es um das Entfernen von Müll, Resten, Material, Werkzeugen und allem Unattraktiven, das nicht gesehen werden soll vom Publikum; dem Inventar, das schon da war. Damit es ja nicht abgelenkt wird, von der echten Kunst, der fertigen Arbeit, der Erleuchtung.
Ich möchte keine Handschuhe, keine geordneten Stapel und gebe mich der Hoffnung hin, und weg, dass die imaginären Betrachtenden die Hemmschwelle übertreten würden.
Froh war ich mich schon jetzt damit auseinandersetzen zu können, am Frühstückstisch. Später hätte alles mehr Druck ausgeübt. Bald ist Mittag.
Wenn ich mein Schreiben in Bewegung setze, ist es nur ein ganz klein wenig im Rollen. Es bildet sich vor meinem inneren Auge.
Eine Idee von Flüssigkeit, sie ist durchsichtig. Sie rinnt zwischen Erhebungen, die bald Inseln werden sollen, breitet sich aus, erhebt sie.
Die Fransen sind vergleichbar mit sich in Zerbruch befindlichem Wellblechplastik, das gelbe.
Das Gelbe vom Werkcharakter.
Das Verbergen, das Verschweigen rückgängig machen, umwerten.
Das Ding und seine Funktion, die Bezeichnung, der Verlust und der Gewinn beider.
Am Land hat es nach Schnitzel, Fritteuse und Rauch gerochen. Es war ein einziges Wirtshaus, sozusagen.
Das war, als ich wieder gegangen bin.
Nicht nur die Menschen, auch die Züge fahren jetzt rechts.
Ich könnte mir für keine Sekunde auch nur vorstellen dort zu wohnen, geschweige denn zu leben.
Die Umgebung macht mich, dort macht sie mich Erbrechen.
Auch wenn ich unter dem uralten Buchenbaum sitze, dem roten, reicht der Romantisierungsprozess nur so weit, wie ich sehen kann und nicht hören oder fühlen muss.
Zu vielen Zeiten mache ich Dinge dramatischer klingen als sie es sind.
Ich hatte auch selbst zwischenzeitliches Inventar mitgebracht, interimistisches sozusagen.
Es gab 10 Drucke von Bildern, die mit einer Kamera aufgenommen wurden, deren Auslöser ich bedient habe. Diese musste es geben, weil in der Ankündigung "Fotografie" stand und manche meinen, ich würde das studieren, was auch nicht ganz unrichtig ist.
Die Fotos, die ich als solche denke, haben sich schlussendlich im schwarzen Rahmen wieder gefunden, sind dort zum Liegen gekommen, glaslos. Lose, im Stapel hatten sie ursprünglich eine Ordnung, die keinen Wert auf diese Ursprünglichkeit legt. Ich wünsche mir, dass hier interveniert wird, nur ohne, dass ich Weisung geben muss. Lieber zwanglos.
Bevor ich dort hin gefahren bin, hatte ich keine Vorstellung, was ich damit wollte, vom Effekt her und am Ende. Die Auswahl erfolgte nach einem ganz einfachen Farbschema, meist Richtung monochrom; und der Kopf knallte beim Einschlafen gegen die Glasscheibe. Besser also kein Glas.
Wenigstens ein irgendwie charmantes Display wäre sich auszudenken gewesen, nicht einmal das habe ich gemacht.
Weder gefunden, noch gebaut.
Gefragt habe ich dann nach Holz. Und ich habe Holz gefunden.
Gehofft, dass keine Meister vom Himmel auf mich drauf fallen würden.
Es hat mich dann die Erlösung gebissen, ich habe beinahe abgeschlossen.
Schließlich.
Das tote Holz, das tote Gewebe, das aus der Wand wächst.
Und langsam weiter stirbt, und gar nicht so reglos ist, wie es scheint. In seiner trockenen Fäule, die bietet Nährboden für Zweifel an den Zuständen.
Projektionsfläche und Fortsetzung.
Das habe ich zum wiederholten Male eingesetzt.
Eingesetzt, wie benutzt, nicht wie gepflanzt.
Es wurde dort hin getragen, wo es nie gewachsen wäre, von selbst, es hätte keine Wurzeln schlagen können.
Und Wurzeln, die sind den Menschen am wichtigsten, da können sie behaupten, sie wären zuerst hier gewesen.
Ich mache Abschnitte.