
Gestern hatten wir Probe.
Wo ich das rote Licht manchmal förmlich vor mir gesehen habe.
Und die mindestens 50-jährigen Zweit-Job-Prostitutierten an der Bar mit ihrem Gin Tonic.
Und Zigarettenstummeln in den Haaren.
Die auch keinen Unterschied mehr machen, ihnen dementsprechend egal sind, im unendlichen Wiederkehren und Wiederholen der Abende, die auch mit Zuhilfenahme von permanent Make-Up nicht schöner werden.
Wobei die abgewetzten mit schwarzem Leder überzogenen Hocker im Rhythmus ihres rauhen Gelächters quietschen.
Ihre Berufswahl verbreitet übrigens keine sex sells Stimmung, ist nicht mal auf irgendeine Art verrucht, genausowenig soll sie die Nähe an welche Form eines Etablissements auch immer suggerieren.
I won't lie to you, I don't see that things are getting any better. sagt die eine zur anderen. Und über den Typen, dessen Hemdkragen sich langsam, mit verschüttetem Bier vollgesogen, in eine Art schwer definierbares Beige verfärbt, während seine Wange, wie in einem seit Ewigkeiten dauernden Vorgang, mit der Tischplatte verschmilzt.
Bis man keinen Unterschied mehr ausmachen kann, zwischen dem Kerzenwachs, das die Weinflasche, damals mit ausgezeichnetem Inhalt, schon vollkommen überzogen hat, in einer Vielzahl von farbigen Linien und Strukturen, um sich mit dem grauen, steinernen Untergrund zu vermengen, seinem Arm und dem Aschenbecher.
I really don't care.
Die Geldbörse liegt unbeachtet neben ihm, weil hier ohnehin alle Hoffnung längst gestorben ist, aus sich noch irgendetwas zu machen, einen Neubeginn zu versuchen.
Zwischen den verlorenen, vergessenen Gestalten verwesen die völlig verdreckten Billiardtische mit ihren unzähligen Brandlöchern, die sie, von oben gesehen, durch das Loch im Parkettboden des darüberliegenden Stockwerks, wo Kabel und Rohre ihre Köpfe in den Raum strecken, aussehen lassen wie das Gemälde eines misslungenen Sternenhimmels, mit dem dunklen Holz als Rahmen.
Ein Aufflackern von ungebändigtem, unkontrollierbaren Lebenswillen schallt her von der kleinen Kabarettbühne, vor der die drei leeren Sitzreihen, geliehen aus einem Theater, ihrer Funktion entbunden sind. Wie Funken in der Nacht vergeht auch dieses Aufbegehren, geht unter, taucht ein in den abwechselnd schwarz und weiß gelegten Fußboden.
Dreht sich im Kreis und erschlägt sich selbst.
Die durchgebrannten Glühbirnen der Neon-Reklame am Eingang haben schon bessere Zeiten gesehen als die Augen der offensichtlich stilisierten Nachtfalter, die aus reiner Gewohnheit immer noch ihre Kreise um sie ziehen.
Eine verblasste Reklametafel wirbt für Schuhcreme.
Wie wir klingen ?
Genau so.
thee is coming to town.
mfg
pierre
