Thursday, 1 March 2012

Was es an Hotelzimmern ist.

A decision has been made.
I have decided, at 22, that something must change.

Wenn man aus Wien wegfährt, dann fährt man durch einen Friedhof,
manchmal.
Daneben sind Schrebergärten.
Alles ist hoffnungslos.
Nur, sich das einzugestehen und sich einzureden - das ist nicht erlaubt, sonst glaubt man es am Ende noch.
Keine_r wollte sich selbst belügen, so weit käme es noch, dass jemand nicht seine und ihre eigene Wahrheit wäre.
Die Geschichte, die man sich von anderen über sich erzählen lässt, die man gerne wäre, oder, die sich aus Geschichten und eingedrückten Zuflüssen zusammenfügt, also nicht zusammenfügt, auseinanderklafft wie graue, gebrochene Karste, garstige krachende Selleriefasern, in Betten aus Kieseln gesammelt, so trocknet sie nie so richtig aus.
Ich gehe hausieren
mit meiner Geschichte. Wenn ich meinen Mantel öffne, hängen da an der Innenseite keine Golduhren, auch keine sehenswerten Neurosen, nicht einmal Handlungsanweisungen. Besonders schick gekleidet bin ich auch nicht, man kann nicht alles haben, nur tragbar ist es soweit und so weit fliege ich nicht.
Wer also interessiert daran ist, kann darin lesen.
Und in meinem Hinterkopf fängt es an, als die schiefe Bahn weiterfährt,
ein Jubeln, vernehmbar zu werden.

I am starting this blog on the flight to Lisbon
and I feel more like a rock star than I ever did, somehow.
Like a rock star
in a hole
by the ocean.
And that's where I am going.
The soundtrack is: At The Bottom Of Everything by Bright Eyes
It feels a bit cynical to hear to someone singing and not singing about a plane crashing, while being inside of one.

Ich mag ja Fliegen im Grunde gar nicht. Abgesehen vom Co2 Fußabdruck empfinde ich das gesammelte Misstrauen, wenn auch angebracht, welches Fluggästen entgegengebracht wird, als ausgesprochen unangenehm, gepaart mit dem zwangsverpfichteten Lächeln der Mundhygienepatient_innen, ein Graus. Ich würde ja selbst niemandem vertrauen, die mich so angrinst;
Auch mit anderen Menschen auf engstem Raum in einer eigenartig geformten Kapsel zu sitzen, eingekerkert zu sein, wo der Druck, der von außen auf die Maschine einwirkt, der eindringen würde, alles einfach zerplatzen und zerreißen würde, ziemlich schnell. Erstaunlicherweise leide ich nicht einmal ansatzweise unter Flugangst, ich habe sie auch nicht, kann sie daher nicht steuerfrei verkaufen. Wo ich die Sprache nicht verstehen kann, dort ist mir die Bedeutung nicht egal, nur nicht bewusst. Irgendwie losgelöst, verschoben bin ich dann schon, Tomatensaft soll ja anders schmecken. Ich verlasse meinen Platz nicht, über den ich verfüge wie über ein urheberrechtsbefreietes Werk, benutze auch nicht den neben mir. Die Identifizierung würde sonst unglaublich schwer fallen, wenn nicht alle an ihren zugewiesenen Plätzen sitzen und die Zähne daher nicht mehr zugeordnet werden können, schlimmer noch, nicht auffindbar sind; nach dem schweren Fall.

Wien ist grauenvoll, gerade mal, weil die Alternative, die Provinz, dunkelgrauenvoller ist, halte ich mich bisweilen dort auf.
Der eine Ort, auf der sich mein Handeln zentriert, über den richte ich gerne;

There's a world, it's waiting for me.
Für mich sollte es so etwas wie ein verpflichtendes, monatliches Austauschprogramm geben, so wie im Übrigen auch für die Landbevölkerung.
Aus diesem furchtbaren Nest, das ich so gerne beschmutze.
Je schmucker es wird durch die Werbung, desto mehr Balzende, die sich tropische Früchte durch die Lippen stoßen wie Ringe aus Rauch.

Fliegen, das funktioniert mit luftdichten Schleusen, wo nur die zugelassen werden, die auch über den entsprechenden Schein verfügen. Die anderen bekommen keinen Schutzanzug und ersticken.
Das Essen schmeckt sogar nicht nur nach Nahrung, es enthält zudem natürlich Fleisch. Die Flugbegleiterinnn, die tatsächliche alle Frauen waren, wahrscheinlich, weisen hin auf die Möglichkeit, doch bitte vor dem Flug das nicht zu bestellen. Mir ist das egal, nur meiner besseren Hälfte, die sich sicher nicht klein, gemeinsam oder gleichmäßig teilen lässt, nicht. Für mich verhält es sich wie eine Lebensmittelration, die gegen Vorlage eines Bons ausgehändigt wird.
Auf dem Tablett, der Kunststofftasse, liegt ganz weit unten ein dünnes Stück Papier auf das Blumen gedruckt sind, verdorrte, oder Feuerwerke, die selbst keinen Spaß haben beim Zerfetzen in sich.
Da fällt meine Beobachtungsgabe, die mir die Welt geschenkt hat, auf fruchtbaren Boden.
Vielleicht gibt es nichts Persönliches und keine Rücksicht, denkt sich mein Sitznachbar, der sich entschieden hat doch nicht zu fliegen, und zieht in Gedanken die nächste Plastikfolie vom Plastikbehälter, nimmt es in Angriff, damit es ihm nicht weggenommen wird, das bisschen Portionierte, das jetzt, wo die dünne Schicht Haut entfernt wurde, ihm entgegen dampft.

Geflogen wurde an meinem Fenster vorbei gezogen eine Kulisse von Spitzen und Gipfeln und Meeren, spätestens als die Küste vor Genua da war, wollte ich aussteigen durch die ovale Öffnung mit den Zehenspitzen voraus mich in den Sand bohren, wo das Wasser dann kurz zurückweicht und weniger glänzt an der Stelle.

Nun, früher war alles besser, zumindest kann sich früher nicht mehr einmischen in heute und sich mir schlecht machen, wie abgelaufene Milch. Nur die Nachwirkungen beben noch, die abgeschwächte Welle, die immer wieder an den selben Punkt kommt; die etwas festere Konsistenz, die sich erst bemerkbar macht, wenn die Milch aus der Packung tropft und platscht.
Das kann ich romantisieren, wie ich will;
nicht alles, nur so manches.
Ich picke mir jenes heraus, welches meiner Strategie am zuträglichsten erscheint; wie ich am meisten Liebe erfahren und projizieren kann!
Um jeden Preis, sich nur nicht als Ladenhüter herausstellen.
Sich profilieren, brillieren.

Spanien sieht von oben aus wie eine Mischung aus einer braunen Schottergrube und dunkelblauen Flecken, die Wald sein könnten, in der Ferne liegt ein Salamander aus glitzerndem Wasser auf der Szenerie. Wenn er sich auf den Rücken wälzen würde, wäre nicht er platt, sondern wie in einer verkehrten Welt das Fahrzeug, das über ihn drüber gefahren ist, wie die Eisenbahn, wenn es nichts mehr zu rütteln gibt, daran. Die verkehrte Welt, das ist die, wo Verkehr an erster Stelle steht, immerhin müssen Autobahnen gebaut werden.
Wie kämen wir denn sonst da hin? Wir wurden dort geworfen, wo wir waren. Mit Privilegien oder ohne Diamanten.
Und wieder rappeln wir uns auf wie Kleinkinder, die nicht genug davon bekommen können vornüber auf die heiße Herdplatte zu fallen.

Von dem Erdbeben wusste ich dank meiner mangelhaften gutbürgerlichen Ausbildung (mit Ausnahme von französisch) bisher nichts.
Ich habe den Sonnenuntergang gesehen, bezeugt vom Zentrum des allumfassenden Postimperialismus aus, der aufs Flussmeer hinnausschaut und zu allem Überfluss Platz des Kommerz heißt.
Er war trotzdem wunderschön.
Ich habe ein Bild gemacht, es heißt "to close one eye to imperialism in order to enjoy the sunset without having a bad conscience or feeling unpolitical"
Hin und wieder war ich so gerührt, wie ich das nur sein kann, wenn ich nicht unter der Österreichdepression leide.
Diese Hemmung fällt von mir ab wie eine viel zu schwere Tagesdecke, die straff übers Bett gespannt wurde; sie hat auch wirklich ein furchtbares Muster.
Und das Gefühl, ein paar Stunden später auf dem knarrenden Bett, morgens aufzuwachen und sich nicht dreckig zu fühlen; gerne hinauszustolpern in das, was noch neu ist und es so lange verzehren, wie es warm und grün ist.
Gerade hat ein älterer Herr angefangen vor meinem Fenster zu singen, melodisch und treffsicher, er hielt ein Tamburin in Händen.
Ich bin nicht sicher, welche Uhrzeit es hier hat, ich finde es jedenfalls großartig, dass er ein ganzes Lied lautstark vollenden konnte, ehe er vertrieben wurde.
Hier passiert das Leben auf der Straße. And most of the time they're singing
like birds or to themselves.
Schon nach einem Abend möchte ich nie wieder zurück.
Es lässt schon einen bitteren Geschmack zurück auf den Fingerspitzen, also bei denen, die daran lecken, dass die Ergebnisse anderer Menschen Unglück (lacking a better word) irgendwie auch ... ansprechend sein können.
Ich liebe den Verfall, die Dekonstruktion, das Pflaster unter meinen Füßen.
Wo nur noch die Fassade stehen bleibt und dahinter alles in Trümmern liegt.

Und weg zu sein, das verleiht auch meiner künstlerischen Arbeit eine ganz andere Qualität.
Nicht, dass ich nicht alle Menschen mit denen ich mich umgebe unendlich gerne hätte.
Und das nie zeige; sondern eher so wirke, als ob mir alles egal wäre.
Das hat damit nichts zu tun.
Nein, hat es nicht.
Qualität auch nicht in dem Sinne von Gutheit.
Die scheinbare Aufhebung von Konsequenzen, der Freibrief zur Verantwortungslosigkeit, die Straflosigkeit; das Wissen ums Ablaufdatum.
Hier ist alles möglich, was ansonsten so predeterminiert ist.
Ha!
Zumindest lässt es sich hier leichter ignorieren.
Zwangsweise begegne ich der Situation schon ziemlich kritisch, der Stadt. Die Umstände gestalten sich nämlich wie folgt: Die Aufenthalte könnten sich wiederholen, ich würde die Sprache anständig lernen und inständig hoffen, dass ich irgendwann die sch an der richtigen Stelle setze.
Und schließlich eine kleine Galerie eröffne, in der ich auch wohne und mich selbst verkaufe, mit Espresso und jeweils einem Packerl Zucker.
Fazit: As the poetical waves crashed against my romanticized brain, I did not feel enlightened at all.

Der Kaffee (0.60 €) schmeckt nach Pralinen, süßer noch nach stillem Wasser.
Hier ist der Himmel.
Hier ist der Himmel blau.
Strahlend verbrennt die Sonne mein Gesicht, danke.
Then I dad lunch at this grand casino former movie star luxury resort for old rich people with Atlantic amazingness.

Und am Meer, da ist mir das aufgefallen.
I felt a lot as if I had been missing out,
all my life,
on something that I could find right there.
It's the sea, for one.
Also, life at night, life in the streets.
Die Kompliziertheit auf eine ganz andere Art, das Ornament, das Unsinnige, das Zwecklose, das sich da sammelt wie Plastikflaschen am Flussufer.
Wer ich gerne wäre, was ich gerne hätte.
Ich unterhalte außerdem den Gedanken surfen zu lernen.
Das kann ja was werden.
Und ich wünsche mir, dass das Meer nie etwas wird, das einfach da ist, immer.

Bisher hatte ich ja stets felsenfest behauptet, dass, wenn mir Wien zu klein würde, ich in eine größere Stadt gehen würde. Und ich glaube mir, also, glaubt mir, dass ich davon schon ein paar gesehen habe.
Aber dann gibt es da das Meer und das ist wohl größer und tiefer und weiter.
Makellose Argumentation.

Einer der nettesten Menschen der Welt, in diesem Moment, hat mir Käse gebracht, rundlichen, und Oliven.
Obwohl ich Oliven gar nicht mag, hab ich sie gegessen. Dort schmecken sie mir schon.
Ich träume von luftigem, kühlen Holz. Und einem Haus aus Stein, mit drei Eingangstüren auf Bodenniveau, mit den Nummern 11, 12, 13.
Und entweder im Erdgeschoss zu leben, wo der Kanarienvogel von gegenüber die ganze Zeit über fiept.
Und meine Wäsche direkt vors Fenster zu hängen auf diese bunten Plastiklinien.
Und es gibt Fliesen, es wird Fliesen geben.
Der Boden vor der Haustür ist schief.
Oder ganz oben, mit Balkon und Sonne.
Weil es keine Heizungen gibt.
Wahrscheinlich werde ich damit anfangen Oliven zu essen.
Oder zu rauchen, nur, um etwas zu tun zu haben, wenn ich auf der sandsteinernen Türschwelle sitze und an meinem Espresso nippe und nicht einmal verstehe, was mich die ältere Dame gerade gefragt hat.
Da würde ich mich dann sofort nur noch halb so expert fühlen.

When writing, walking or talking in English I mostly feel like a sleep walker,
a person that just woke up, and power is gone, so it's completely dark, with my arms stretched out
as not to bump into anything.
Which is strange and surprising, since sometimes my brain unconsciously switches, until I notice that I cannot find one of the words in my train of thoughts.
And you go on with your usual life (which is not the same as a common one) while I got nothing to do. And I'm doing it well, I get nothing done.
Except for seeing the world, maybe.

Das Gras ist beige; die Bäume zu rundlich, um Oliven zu tragen und zu früh; sie färben sich aber genauso grünlich; und daneben steht eine Insel, die ein Hügel ist, wie eine eigene Welt mit einem Haus und einem Baum.
Ich sehe einen Übergang von den Feldern, die gefleckt sind, wo ein bisschen helleres geriebenes Felsgestein sich mischt mit größeren, gröberen Steinstücken, die Kanten haben, gerahmt von dunkelrötlichen Pflanzen.
And all the things I know, that I am alway so expert about, they are gone, gone, gone.
Schon ganz gut, immer wieder darauf hingewiesen zu werden, dass ich keinen Plan habe, von nichts.

Wie kann ich nicht in einem Land leben wollen, wo die Wirtschaft so weit gegangen ist, dass sie der Melancholie einen realen wirtschaftlichen Wert gegeben hat, etwas, das man Tourist_innen verkaufen kann?
Aber dann, warum würde ich in so einem Land leben wollen?
Meine Entscheidung fußt auf mehreren Stereotypen.
Tristesse, Hügel, Rotwein, Verfall und Kaffee.

Die Arbeit am Portfolio scheint sich zu türmen, zu häufen, bis ich türme und den Haufen Haufen sein lasse.
Meine größte Befürchtung ist, dass ich entweder ein halbfertiges Ding von mir stoße, oder diesen Computer mit 9 Kugeln erschieße.
Mehr als zwei Möglichkeiten gibt es nicht, ich entscheide mich für Tor 3.

Ich war nach Lissabon wahrscheinlich ziemlich enthusiastisch, was die ganze Geschichte betrifft.
Sogar überlegt eine Collage von und über diese Stadt zu machen; es gibt Brücken, die über Brücken führen mit Stufen drauf, und die Straßen sind manchmal aus Sternen oder Stiegen oder Straßenbahngleisen; überall hin kommst du mit Aufzügen oder Straßenbahnen, die sich nicht rentieren, nichts ist rechteckig und der Grund ist niemals eben. Immer Pflastersteine, Steinpflaster, Pflastersteine in Mustern.
Und dann war ich wiederum kritisch, weil immerhin, das ist ja nicht nichts, so mal an die andere Seite des Kontinents ziehen, so weit, dass es gerade noch der Kontinent ist. Und dann auch noch zur kleineren Zwillingsschwester, die bei der Geburt getrennt wurde und zu deutsch Hafen heißt.
Es könnte nämlich passieren, dass ich, bei einem Aufenthalt, der länger dauert als diese paar Wochen, die es so in der kürzeren Vergangenheit gegeben hatte, mich in die leeren Fenster und die goldenen, abgeplattelten Spiegelränder verliebe.

The sun is in the sky and I am by my lonesome.
An einem Punkt, es war auf einem dieser furchtbar engen Gehsteige, neben der Kirche hinter diesem kleinen eigenartigen Park mit den Geländern und dem Ausblick, wo man sich immer ausweichen musste und gleichzeitig acht oder neun geben, dass man nicht überfahren würde, beim Seitensprung auf die Straße -
Und dann wollte ich die Welt umarmen, nur war da niemand.
Außer einem Gerippe von einem Gebäude auf einem Hügel, das nie fertig gestellt wurde.

Anyway,
I could do these dishes,
I could try to to these dishes,
I could decide to do these dishes,
or I could go to Portugal.
I am going to move to Portugal.
Fuck, yes.
Bye, bye.

And if I shouldnt like it,
fuck art school, I'm going to the beach.

mfg

tauben