Thursday, 2 June 2011

]f[ Wir schlucken nicht jeden Scheiß.

WER

Die IGfotoprof ist eine Gruppe von Studierenden des IBK, insbesondere der Fotoklasse.

WARUM

Mittlerweile läuft das Berufungsverfahren für die Professur der Klasse für Kunst und Fotografie seit 10 Monaten. Wir haben weder Nachricht über den momentanen Stand der Verhandlungen noch über eine endgültige Entscheidung. Der Rektor verweigert das Gespräch mit den Studierenden der Klasse. Es ist daher zu befürchten, dass die Entscheidung über die Köpfe der Studierenden hinweg gefällt wird.
Empörenderweise lassen die vorhandenen Strukturen an der Akademie eine solche Vorgehensweise problemlos zu.
Alle bisherigen Versuche, unserer Stimme Gehör zu verschaffen wurden ignoriert.
Der Gipfel der Absurdität ist somit für uns erreicht. Deshalb wählen wir diese Form des Protests. Wir finden uns nicht mit der ohnmächtigen Position ab, in die wir gedrängt werden.

FACTS

Bereits des Öfteren kam es vor, dass die Anliegen der Studierenden bei der Neubesetzung von Professuren an der Akademie übergangen wurden. Wir halten es für unumgänglich auf diese fragwürdige Praxis aufmerksam zu machen. Die Studierenden stellen den größten Personenanteil der Akademie. Ihre intensive Zusammenarbeit mit den Lehrenden der Ordinariate, welche im Zuge eines Kunststudiums besonders essentiell ist, erfordert ein massives Mitspracherecht bei Neubesetzungen. Trotz der betont aufgeschlossenen und demokratischen Einstellung, welche die Institution sowohl nach innen als auch nach außen vertritt, wird auf autoritäre Weise gegen den Willen der Studierenden entschieden. Erneut sehen wir uns mit einigen Problematiken konfrontiert, die Mitauslöser
der Studierendenproteste 2009 waren. Große Teile des Hauses erklärten sich damit solidarisch.

BISHER

Seit Beginn des Berufungsverfahrens sind wir mit besorgniserregenden
Gegebenheiten konfrontiert:

* Die Stelle war mangelhaft ausgeschrieben, was zu einer spärlichen
Zahl von qualifizierten Bewerbungen führte.
* Die verspätete Einberufung der ersten Kommissionssitzung, das
nicht zeitgerechte Eintreffen erstellter Gutachten sowie der zeitlich
versetzte zweite Termin für Hearings verzögerten das Verfahren
erheblich.
* Die anfangs zugesagte Möglichkeit der Nachnominierung von
Kandidat_innen stellte sich als falsche Versprechung heraus, wodurch
ein Abbruch des Verfahrens aus zeitlichen Gründen nicht mehr
realisierbar war und deshalb verworfen wurde.
* Während des Verfahrens entstand der Eindruck, dass lobbyistische
Tendenzen innerhalb der Kommission vorhanden waren. Der Anteil der
Studierendenvertretung (2 von 9 Stimmen) ist grundsätzlich ein
geringer. Durch eine solche Ausgangslage wird die effektive Anwendung
des Mitspracherechts erschwert.
* Es war lange nicht klar, ob der von der Kommission vorgelegte Dreiervorschlag angenommen wird, was einen Abbruch des Verfahrens nach sich gezogen hätte. Weiters wurde das Angebot gemacht, die Entscheidung in den Herbst zu verlegen und somit der neuen Rektorin zu überlassen.
* Angekündigte Verhandlungsgespräche mit allen Positionen des Dreiervorschlags fanden nicht statt. Die Unstetigkeit und Intransparenz während der Entscheidungsfindung des Rektors und die
unzureichenden Informationen den Stand des Berufungsprozesses betreffend, tragen zu großen Irritationen unter den Studierenden der Klasse bei.
* Dennoch ist die eindeutige Stimmenmehrheit für die Bewerbung Krüger/Neuerer nach wie vor Fakt*. Die beiden anderen Positionen des Dreiervorschlags der Kommission sind für eine große Mehrheit der Klasse keine Option. Die Bestellung der favorisierten Position der Studierenden wird vom Institut und dem Rektorat nicht gut geheißen, obwohl auch in der Abstimmung der Kommission über den Dreiervorschlag die Position Krüger/Neuerer die meisten Punkte erhielt. Aufgrund dessen gab es innerhalb der Klasse immer wieder Bemühungen, einen Konsens über eine Alternative zu finden. Scheinbare neue Möglichkeiten, über deren Realisierungspotential die Klasse mangelhaft bis gar nicht aufgeklärt wurde, verkomplizierten dies.

DESHALB

Wir fordern, dass die Stimme der Studierenden gehört wird.

Wir betonen nochmals, dass es ein eindeutiges Votum* der Klasse für
Kunst und Fotografie für eine Professur des Teams Krüger/Neuerer gibt.

Wir bestehen auf einen respektvollen Umgang mit den Anliegen der Studierenden und ein tatsächliches und gewichtiges Mitspracherecht in Entscheidungsprozessen, die uns direkt betreffen.

Wir verurteilen eine generelle Gesprächsverweigerung als politische Taktik.

Den gleichberechtigten Dialog zwischen Rektorat, Lehrenden und Studierenden verstehen wir als Selbstverständlichkeit.

Wir sehen großes Potential für Veränderungen in der Neubesetzung des Rektorats ab Herbst 2011. Vom designierten Rektorat verlangen wir eine Eingliederung unserer Forderungen in sämtliche universitäre Strukturen.

Die Gesprächsbereitschaft der Studierenden war durchwegs vorhanden und ist es immer noch. Ebenso rufen wir erneut zur Stellungnahme des Rektors auf und sind offen für Rückmeldungen von allen Interessierten.

IGfotoprof

Wir schlucken nicht jeden Scheiss.

igfotoprof@gmail.com

igfotoprof.tumblr.com

*siehe Abstimmung vom 21.5.2011

OTHER:

wir haben am 8. juni 2011 eine aktion gestartet um auf die untragbaren bedingungen aufmerksam zu machen, unter denen die neubesetzung der fotoprofessur abläuft.

mittels plakate und flyer kommunizieren wir unsere position und stellen die missstände dar, unter denen diese (und auch weitere neubesetzungen) passieren.

unserer position wird keinerlei beachtung geschenkt. da rektor schmidt-wulffen das gespräch mit uns verweigert, haben wir diese form des protestes gewählt.

somit haben wir auf flyern und plakaten ein statement der klasse zum berufungsverfahren veröffentlicht. aus diesem statement geht der wunsch der klasse nach einer professur von krüger/neuerer klar hervor.

wir fordern, dass die stimme der studierenden gehört und respektiert wird.

zu diesem zweck haben wir sowohl im semperdepot, als auch im hauptgebäude am schillerplatz plakate aufgehängt und flyer aufgelegt. mit dieser aktion wollten wir lehrende, angehörige des mittelbaus und mitstudierende auf unsere lage aufmerksam machen.

diese wurden innerhalb von drei stunden von der gebäudeverwaltung entfernt.

wir sehen uns hier auf einem weiteren weg unserer stimme beraubt.
die materialen wurden bis einige wenige, vereinzelte exemplare entfernt, und im büro der gebäudeverwaltung aufbewahrt. das lässt darauf schließen, dass der
grund der entfernung nicht nur ein gebäudetechnischer, sondern vor allem ein inhaltlicher ist. auf nachfrage erhielten wir die auskunft, die plakate von den plakatwänden seien irrtümlich enfernt worden. dies erscheint sehr unwahrscheinlich angesichts der tatsache, dass andere plakate und flyer unangetastet blieben.

wir werden in unserer kommunikation gehindert.

durch dieses mail wollen wir diese zensurierung umgehen.

wir lassen uns nicht mundtot machen.

auf diesem wege forden wir nochmals, dass die stimmen der studierenden gehört werden und in substantielle entscheidungen wie die über die vergabe von professuren miteinbezogen werden.

wir verurteilen die gesprächsverweigerung mit den studierenden aus taktischen gründen.

die restlose entfernung der plakate und flyer aus dem hauptgebäude der akademie stellt für uns ein weiteres zeichen der antidemokratischen und respektlosen einstellung des rektorats gegenüber den studierenden dar.

wir schlucken nicht jeden scheiß. danke fürs zuhören.



Und:

Ich bin mir absolut sicher, dass es das hier noch nie gab: