Thursday, 25 October 2012

Hebebühnen

Es ist natürlich kein Spiel - manchmal denke ich trotzdem gerne aus Jux in Levels - auch kein Urlaub mehr. Ein bisschen unbeschwerter als das echte Leben trotzdem. Manchmal übe ich mich im traurig aussehen, ich assimiliere mich.
Im Versuch mir das bewusst zu machen, die Konsequenzen und die Wellen, die das wirft; alles. Ich denke unheimlich viel, manchmal empfinde ich mich als dementsprechend kantig und rational, wie ein Messer, das aber quaderförmig ist. Und gleichzeitig handle ich unbedacht, bin müde, möchte Kaffee.
Manchmal fühle ich mich mehr fremdkörperlich und habe das Gefühl, dass ich da in Leben eingreife, in denen ich eigentlich nicht passieren hätte sollen, an anderen Tagen sehe ich kaum Unterschied zu  meinem alten Wiener Dasein, in terms of getting to know people; nur, dass alles so frisch ist!
Und es geht nicht darum, dass ich es so haben will, wie früher und bisher; so kann es sowieso nicht sein. Das ist keine Reue, die ich zeige.
Abgesehen davon genieße ich nach wie vor eigentlich eine unheimlich behütete Existenz; privilegiert. Das Abenteuer winkt mir zu und taunts me.
Die Wörter fehlen mir, mehr als früher, es gibt kaum Eingebungen, input, in und aus der Sprache der Mutter; dafür zunehmend aus der Fremde, dem Anderen!

Heute im Portugiesischkurs ist das Eigenartigste passiert.
Ich übersetze beim Vokabel schreiben manchmal auf Spanisch, manchmal auf Englisch, manchmal auf Deutsch. 
Also stand da evitar um assédio sexual - avoid un assaut sexual (das letzte Wort kam erst nach den Korrekturen hinzu) ziemlich bald hatte ich bemerkt, dass da un stand, erst ein paar Minuten später fand ich auch das fehlende l. Ungefähr so sieht es in meinem Kopf aus. 

Level 2

Nun, es ist vorgekommen vor einigen Wochen, dass ich etwas gratis bekommen habe. Ein Getränk, Rotwein. Von einem Menschen, der hier schon lange lebt, der in einer Bar arbeitet und zu diesem Zeitpunkt auch hinter dieser gestanden hat. Ich hatte zugegebener Weise Hilfe von einem Bekannten aus dem Landesinneren, der die r pronunciiert.
Auf ein Bier eingeladen werden ist eigentlich auch unüblich, aber das passiert.
Und an diesem anderen Tag, es war ein Dienstag, nach dem Vorfall mit dem Klavier, wo wir, nach kurzem Klarstellen woher und nach längerem Überlegen wohin, das Tal durchwanderten und auf meinem Hügel ankamen. Das Lokal, das wir angesteuert hatten, das nach den Fischerbooten benannt ist, war schon geschlossen. Der Besitzer stand aber davor und unterhielt sich mit der Hälfte einer experimentellelektronischen Musikgruppe und zwei Beisitzenden, auf der Mauer neben dem halb leerstehenden Haus. Nach einem kurzen Gespräch, es war vier Uhr morgens und er müde, öffnete er kurzerhand die Bar wieder und spielte Musik, die so warm und wohlig wie Tee mit Rum geklungen hat. Ich hätte die Menschen gehasst, die da in meine Bar wollten, er hat das Gegenteil unternommen; Taten folgen lassen.

Ich war außerdem in der Confeitaria Bolhao, dort bin ich öfters, es gibt da Süßspeisen, Kaffee und Brot. Es ist das Beste. Der Hunger hatte mich dort hinein verschlagen, es verlangte mir nach Zucker. Es gab also pasteles. Bestellt, an der Zahl, hatte ich nur vier, zwei von denen mit den Mandeln und zwei von jenen mit Staubzucker. Die Lady hinter dem counter hat ihr linkes Auge sekundenbruchteilig zugedrückt und mir plötzlich vier weitere in den Karton geworfen, aber nicht verrechnet. Gelächelt. Am Nachmittag.  
Draußen vor dem Fenster, auf der Straße, der Straße, gerade eben, hat jemand filho de puta geschrien und ich habe verstanden, was er damit sagen wollte; zumindest eine der Bedeutungen aufnehmen können. 

Das erste Kleidungsstück sieht fertig aus. Es ist grau und dunkelblau, handgemacht. Vielleicht ist es nicht für die Straße geeignet, es ist winterfähig, aber nicht wasserdicht und könnte ein Mantel sein.